Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik nicht nachgewiesen

Die Wissenschaft rätselt: Wie gefährlich ist Mikroplastik? Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärt, dass eine Bewertung für die Gesundheit derzeit nicht möglich ist.

Nachdem österreichische Forscher in menschlichen Stuhlproben Mikroplastik gefunden haben, weist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) darauf hin, dass es derzeit keine Daten für verlässliche Aussagen zur Gesundheitsgefahr über Mikroplastik in der Nahrungskette gibt. Die Aufnahme von Mikroplastik in den Magendarmtrakt ist für das Institut erwartbar, da zum Beispiel auch Zahnpasta Mikroplastik enthält und verschluckt werden kann.

Aus den bisherigen Studien lasse sich nicht ableiten, wie viele Mikroplastikpartikel die Verbraucher beispielsweise durch den Verzehr von Fisch aufnehmen. Nachgewiesen wurde Mikroplastik bisher vor allem im Magendarmtrakt von Fischen, der in der Regel aber nicht verzehrt wird. „Um das tatsächliche Risiko von Mikroplastik in der Nahrungskette zu bewerten, benötigen wir verlässlichere Daten”, sagt BfR-Präsident Professor Andreas Hensel. „Das BfR führt derzeit Studien zur Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über den Darm und zu den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen durch.“

Weicht öffentliche Wahrnehmung von wissenschaftlicher Einschätzung ab?

Insgesamt schätzen laut einer Umfrage des BfR 75 Prozent der Bevölkerung Lebensmittel als sicher ein. Mikroplastik in Lebensmitteln bewegt jedoch immer mehr Deutsche, wie der BfR-Verbrauchermonitor vom August 2018 zeigt. Waren vor einem halben Jahr 45 Prozent besorgt über Mikroplastik in Lebensmitteln, sind es nun mit einem Anstieg von 11 Prozentpunkten mehr als die Hälfte der Befragten. Für das BfR ist besonders interessant, ob die öffentliche Wahrnehmung von der wissenschaftlichen Einschätzung abweicht. Das BfR hat daher häufige Fragen und Antworten zu Mikroplastik zusammengetragen:

Was ist Mikroplastik?

Der Begriff Mikroplastik wird für kleine Kunststoffpartikel unterschiedlicher Herkunft, Größe und chemischer Zusammensetzung verwendet. Die Größenangaben für Mikroplastik sind in der Literatur nicht einheitlich definiert und schwanken meist zwischen 0,001 mm bis kleiner als 5 mm.

Grundsätzlich wird primäres und sekundäres Mikroplastik unterschieden: Primäres Mikroplastik wird in Form von kunststoffbasierten Granulaten oder Pellets (resin pellets) gezielt industriell hergestellt. Dabei kommen unter anderem unterschiedliche Kunststoffe wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Polystyrol (PS), Polyethylenterephthalat (PET), Polyvinylchlorid (PVC), Polyamid (Nylon) und Ethylenvinylacetat (EVA) zum Einsatz. Sekundäres Mikroplastik entsteht durch chemische und physikalische Alterungs- und Zerfallsprozesse aus beispielsweise Plastiktüten oder Plastikflaschen. Sekundäres Mikroplastik ist eine Haupteintragsquelle in die Umwelt.

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Primäres Mikroplastik wird als Granulat oder Pellet zur Herstellung von Kunststoff-Produkten eingesetzt. Es wird zudem gezielt zum Beispiel in industriellen Sandstrahlern, in Reinigungspasten und in einigen kosmetischen Mitteln verwendet. Da Klärwerke die Partikel nur unzureichend aus dem Abwasser herausfiltern, gelangt ein Großteil in die Gewässer. Eine weitere Eintragsquelle von Plastik in die Umwelt ist der Verbraucher: Achtlos weggeworfene Verpackungen, Tüten, Flaschen oder Kanister gelangen so in die Umwelt. Da Plastik kaum abbaubar ist, verbleibt es für unbestimmte Zeit in der Umwelt und reichert sich dort an. Hieraus entsteht durch Alterungs- und Zerfallsprozesse sekundäres Mikroplastik. Sekundäres Mikroplastik entsteht auch durch das Tragen und das Waschen von kunststoffhaltigen Textilien. Dies gilt zum Beispiel für Fleece-Kleidungsstücke, die aus einem Velourstoff, der meist aus Polyester oder Polyacryl besteht, hergestellt werden. Bei diesen Vorgängen werden Mikrofasern aus dem Textil in die Luft beziehungsweise in das Abwasser freigesetzt.

Warum werden Mikropartikel aus Kunststoff in Kosmetika eingesetzt?

Mikrokunststoffpartikel werden in kosmetischen Mitteln wie beispielsweise Duschgel, Peeling oder Zahnpasta eingesetzt, um eine besonders schonende Entfernung von Schuppen oder Schmutz sowie Zahnbelag zu erreichen. Alle Inhaltsstoffe eines kosmetischen Mittels werden auf dem Produkt aufgeführt. Ob sie allerdings als Mikrokunststoffpartikel verwendet werden, muss nicht deklariert werden.

Besteht für Verbraucher ein Gesundheitsrisiko, wenn sie Kosmetika mit Mikropartikeln verwenden?

Nach jetzigem Kenntnisstand ist ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher unwahrscheinlich, da die in Peelings oder Duschgelen verwendeten Mikrokunststoffpartikel größer als 1 Mikrometer (1 µm entspricht 0,001 mm) sind. Bei dieser Partikelgröße ist bei vorhersehbarem Gebrauch der Produkte eine Aufnahme über die gesunde und intakte Haut nicht zu erwarten. Auch beim Verschlucken von Zahnpasta ist aufgrund der molekularen Größe davon auszugehen, dass eine Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt nur in geringem Maße und nur bei Partikeln von wenigen Mikrometern Größe stattfindet und dass der überwiegende Teil der Partikel über den Stuhl ausgeschieden wird. Dass sich während der Passage durch den Magen-Darm-Trakt gesundheitlich relevante Mengen an Ethylen aus den Polyethylen-Mikrokunststoffpartikeln freisetzen, ist aus Sicht des BfR unwahrscheinlich.

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