Kunstholz aus Plastikverpackung

Plastikabfälle aus dem Gelben Sack sind in Outdoor-Spielgeräten, Weidezäunen oder Pflanzenkübeln enthalten. Die Firma HAHN Kunststoffe GmbH stellt aus kurzlebigen Verpackungskunststoffen Kunstholz her.

Aus Käse-Verpackungen oder Joghurtbechern werden Parkbänke: Das Unternehmen Hahn Kunststoffe macht aus Müll Kunstholz und daraus wiederum verschiedene Produkte – unter anderem Spielgeräte oder Gartenmöbel. Eine klassische Recyclingfirma ist Hahn Kunststoffe GmbH nicht. 1993, zwei Jahre nach Einführung der Verpackungsverordnung in Deutschland, wagte Ulrich Kossin den Sprung in die Recyclingbranche und gründete im Hunsrück das Familienunternehmen. Heute ist das Unternehmen mit Sitz am Flughafen Frankfurt-Hahn führend in der Wiederverwertung von Plastikabfällen. Die ausgeprägte Vertikalität der Wertschöpfungskette macht Hahn besonders. Dafür  ist die Firma mit dem mittelständischen Recyclingpreis „Die Grünen Engel“ ausgezeichnet worden. Alle Schritte werden von den rund 300 Mitarbeitern in Eigenregie vor Ort ausgeführt. Die Firma verarbeitet tonnenweise den Müll aus den Dualen Systemen, produziert aus Gelbe-Sack-Abfällen aus ganz Deutschland, die sonst zur Verbrennung bestimmt wären, den Recycling-Kunststoff „Hanit“. So nennt das Unternehmen sein Kunstholz und hat diesen Namen schützen lassen.  170 Tonnen Kunstholz werden pro Tag produziert.

„Altplastik ist nicht gleich Altplastik“

Im Jahr werden bei Hahn rund 60.000 Tonnen recycelter Kunststoffmüll verwertet, erklärt Marco Bräuß, einer der beiden Geschäftsführer des Unternehmens. Da Altplastik nicht gleich Altplastik sei, gebe es verschiedene Kunststoff-Mischungen. Das Mischungsverhältnis hängt vom gewünschten Produkt ab – ob das Kunstholz beispielsweise für eine Bank, einen Weidezaun oder ein Spielgerät verwendet werden soll. Der Werkstoff Hanit besteht aus Polyolefinmischungen. Hauptbestandteile dieser Mischungen sind Polyethylene (LDPE/HDPE) und Polypropylen (PP). Durch den hundertprozentigen Einsatz dieser hochwertig aufbereiteten Sekundärrohstoffe werde kostenintensives Neumaterial ersetzt, erklärt Bräuß. PET-Flaschen, mögen sie auch fälschlicherweise im Gelben Sack landen, kommen zum Beispiel nicht für die Herstellung von Kunstholz zum Einsatz. Der gelieferte Abfall aus dem Gelben Sack werde zunächst gereinigt und sortiert, sodass nur das „richtige“ Altplastik  in den Maschinen der Firma zerkleinert, dann getrocknet und sortiert bis ein Granulat herauskommt. Dieses wird geschmolzen und per Extrusionsverfahren in die  gewünschte Form des Fertigteils gepresst. „Wir stellen unsere Maschinen sowie die Verfahrenstechnik der Produktion in Eigenregie her“, erklärt der Geschäftsführer.

Recycling-Produkte für U-Bahn in Saudi-Arabien

Die Hanit-Produkte zeichnen sich in erster Linie durch ihre Widerstandsfähigkeit gegen Witterungseinflüsse, Öle, Laugen, Säuren und Salzwasser, ihre Resistenz gegen Mikroorganismen sowie durch ihre Stand- und Bruchfestigkeit aus. Dabei sind die Recyclingprodukte mechanisch einfach zu bearbeiten und wartungsfrei. Der größte Vorteil des Kunstholzes gegenüber Holz sei seine Langlebigkeit – es halte mindestens 20 Jahre, verspricht Hahn Kunststoffe. Hanit sei zudem um ein Drittel leichter als Beton und viel günstiger als Edelstahl.

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Alle Produkte der Firma tragen das Umweltzeichen Blauer Engel. Das meistverkaufte Produkt sind Pfosten – etwa für Weidezäune oder Straßenabsperrungen – , der Misch-Kunststoffanteil betrage mehr als 50 Prozent. Sie kosten mehr als doppelt so viel wie Pfosten aus kesselimprägniertem Holz. „Der Kunststoff verrottet aber nicht“, sagt Bräuß. Die Bandbreite der Hanit-Produkte ist groß. Für den Bau einer U-Bahn in der saudischen Hauptstadt Riad stellt Hahn derzeit Hochspannungskabelkanäle her. Üblicherweise wären diese aus Beton, erklärt Breuß. Aber die Recyclingkunststoff-Alternative ist für den gegebenen Zweck in Saudi-Arabien viel besser geeignet. Neben der Bruchfestigkeit bei hohen Temperaturen habe auch die Leichtigkeit gegenüber der Betonkanäle die Kunden überzeugt. Das Hunsrücker Unternehmen, das auch in England einen Sitz hat, macht auch Geschäfte mit großen Discountern. Diese geben ihren Verpackungsmüll ab, dafür stelle Hahn für diese Sitzbänke und Tische her.

„Wir als Recycler befürworten die Verpackungsreduktion, denn die Müllvermeidung sollte das oberste Ziel sein, da sind wir uns mit der Politik einig“, so Bräuß. Er fordert aber darüber hinaus, dass bei öffentlichen Ausschreibungen Firmen den Zuschlag bekommen, die Recyclingprodukte herstellen. Vor mehr als 20 Jahren sei durch Förderungsmaßnahmen seitens der Politik auch das Altpapier in hoher Menge auf den Markt gekommen, führt er als Argument auf. Der Hersteller bietet an, die ausgedienten Produkte zurückzunehmen.  „Daraus machen wir wieder neue Kunstholz-Produkte“, so der Geschäftsführer. Aus der Käse-Verpackung, die zur Parkbank wurde, kann also noch ein Spielgerät werden.

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