Geld ist nicht alles

Aufstiegschancen garantiert: Die Verpackungsindustrie bietet attraktive Jobs. Das Packaging Valley scheut keinen Aufwand, um Fachkräfte und Nachwuchstalente für seine Mitgliedsunternehmen und die Branche zu begeistern.

Die Verpackungsindustrie in Deutschland bietet krisensichere und attraktive Arbeitsplätze. Dies jungen Menschen und Fachkräften deutlich zu machen, ist eines der Hauptanliegen des Packaging Valleys. Innerhalb des Verpackungsclusters kooperieren die rund 100 Mitgliedsunternehmen unter anderem beim Recruiting von Nachwuchskräften und Fachkräften. Die Vereinigung versucht deutschlandweit, Studierende für die Region zu gewinnen und ist daher auf Hochschultagen und anderen Ausstellungen als Packaging Valley vor Ort. „Wir können den jungen Leuten sagen, dass bei uns Familienbetriebe gute Arbeitsstrukturen garantieren. Denn auch wenn die Firmen 2.000 Mitarbeiter haben, sind es inhabergeführte Unternehmen, die eine Sicherheit bieten. Und die Region bietet für Nachwuchskräfte Aufstiegschancen“, erklärt die Vorsitzende des Packaging Valleys Sabine Gauger (ein Interview lesen Sie hier).

Doch das Finden von passenden Führungskräften ist in den letzten Jahren immer herausfordernder geworden. Das betrifft insbesondere Unternehmen im ländlichen Raum. „Für hoch qualifizierte Führungskräfte, die gut positioniert sind, nimmt die räumliche Frage einen hohen Stellenwert ein, schlicht und einfach, weil diese Kandidaten genügend Alternativen haben“, so Thomas Schmitt, Managing Partner bei insight International Management Consultants. Die Mobilität im Kreis der Führungskräfte habe über die letzten Jahre stetig abgenommen. Das Pendeln nehme zu, da oft beide Partner voll berufstätig seien. „Es müssen also gerade von Unternehmen im ländlichen Raum Bedingungen geschaffen werden, die dafür sorgen, dass der Köder dem Fisch schmeckt und der Kandidat in den Nachbarteich schwimmt.“

Sabine Gauger, die neben ihrem Ehrenamt beim Packaging Valley hauptberuflich als Management Support Managerin bei der Optima Packaging Group mit Hauptsitz in Schwäbisch Hall tätig ist, weiß aus Erfahrung, wie viel Aufwand die Suche nach geeigneten Mitarbeitern bedeutet. Optima ist das Paradebeispiel eines Hidden Champions und beschäftigt weltweit über 2.800 Mitarbeiter mit einem Umsatzvolumen von 500 Millionen Euro und einem Exportanteil von rund 85 Prozent. Das Unternehmen hat unter anderem einen 50 Seiten starken „Benefits-Guide“ aufgelegt, in dem der Abfüll- und Verpackungsmaschinenhersteller die Vorteile und Annehmlichkeiten für Mitarbeiter an den Standorten in Schwäbisch Hall bewirbt. Um nur einige zu nennen: flexible Arbeitszeiten und individuelle Teilzeitlösungen, überdurchschnittliche Gehälter und Erfolgsbeteiligungen, moderne, ergonomische Arbeitsplätze, individuelle Einarbeitungspläne, vielseitige Weiterbildungsangebote, betriebliche Altersvorsorge, vermögenswirksame Leistungen, Gesundheitsmaßnahmen im Rahmen der Work-Life-Balance, Mitarbeiterevents und Betriebsfeiern. Bei der „Nacht der Ausbildung, die im Herbst nach zweijähriger Corona-Zwangspause erstmals wieder stattfand, konnten interessierte Schulabgänger und junge Talente positive Eindrücke von den teilnehmenden Unternehmen mit nach Hause nehmen. Erlebnisse, die vielleicht bei der Wahl der Ausbildungsstelle den Ausschlag geben könnten.

Fast so wichtig wie das Live-Erlebnis ist für die Mitarbeiterbindung und -rekrutierung heutzutage die Berichterstattung über die sozialen Netzwerke. „Für uns ist Social Media ein sehr wichtiges Instrument und wir posten regelmäßig. Mittlerweile setzen wir vermehrt auf Bewegtbild, das bringt noch mehr Aufmerksamkeit und Follower“, erklärt Gauger. Auf LinkedIn erreiche Optima deutschlandweit und international Fach- und Führungskräfte, Journalisten und natürlich Kunden. Instagram sei besonders für junge Leute ein interessantes Medium und auf Facebook könnten die eigenen Mitarbeiter und Follower aus dem Employer Branding gezielt angesprochen werden.

Der Schlüssel zum Erfolg des Sondermaschinenbauers Syntegon in Crailsheim liegt nach eigenen Angaben in seiner modernen Arbeitskultur: Flache Hierarchien, eine offene Du-Kultur und flexible Arbeitsmodelle sollen dafür sorgen, dass jeder der 1150 Mitarbeiter den nötigen Freiraum erhält, um sich gemäß der eigenen Talente weiterzuentwickeln. Unabhängig davon, ob Kollegen als Berufseinsteiger oder mit langer Branchenerfahrung zum Unternehmen stoßen, jeder arbeitet von Beginn an eigenverantwortlich in spannenden Projekten mit. Während der Einarbeitungsphase bietet eine Onboarding-App alle nötigen Informationen zur Orientierung im neuen Arbeitsalltag. Nicht nur dem reibungslosen Berufseinstieg, sondern auch der beruflichen Weiterentwicklung wird hohe Bedeutung beigemessen: Internationale Austauschprogramme mit weltweiten Syntegon-Standorten – unter anderem in China, Indien und den USA – erlauben den Mitarbeitern aus Crailsheim, spannende Wachstumsmärkte der Pharmaindustrie aus nächster Nähe zu erleben. Über das KEYPortal (Keep Educating Yourself) haben sie außerdem Zugriff auf zahlreiche Schulungen zu verschiedenen Themen.

Homeoffice längst Praxis

Homeoffice gehört bei Syntegon nicht erst seit der Pandemie zum Alltag, sondern war auch davor schon weitverbreitete Praxis. Die moderne Raumgestaltung der Büros soll optimale Voraussetzungen für erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen. Ein Shared-Desk-Prinzip, hybride Meeting- und Kollaborationsräume, der sogenannte Freiraum mit Gondel und PlayStation für kreative Workshops und Schulungen, wie auch flexible Arbeitszeiten sollen für ein angenehmes Arbeitsklima sorgen. Die rund 1.600 Beschäftigten der Harro Höfliger Verpackungsmaschinen GmbH gaben ihrem Arbeitgeber sehr gute Noten im Rahmen des deutschlandweiten „Top-Job“-Benchmarks. Das Familienunternehmen hatte sich zum ersten Mal um das Arbeitgeber-Siegel beworben, das vom Institut für Führung und Personalmanagement der Universität St. Gallen wissenschaftlich begleitet wird. Die Mitarbeiter loben vor allem das vertrauensvolle Miteinander, die gelebten familiären Werte und die Zukunftssicherheit. Der Arbeitsalltag sei geprägt durch projektorientiertes Arbeiten und einen hohen Freiheitsgrad bei der Gestaltung der eigenen Tätigkeit: „Eine Besonderheit unseres Unternehmens ist die Eigenverantwortlichkeit unserer Projektteams“, berichtet Personalleiter Uwe Amann. „Ein Projekt wird ganzheitlich von A bis Z abgearbeitet, damit erwerben sich unsere Beschäftigten ein breites Spektrum an Kompetenzen – wer zusätzliche fachliche Unterstützung benötigt, erhält ein individuelles Training on the Job.“

Talente frühzeitig fördern

Diese Firmenphilosophie setzt der Technologielieferant auch bei seinen Auszubildenden um, die schon früh in konkrete Projekte verantwortlich eingebunden werden. „Wir erkennen Talente und schaffen Entwicklungschancen“, kommentiert Amann. So fördert der schwäbische Mittelständler auch gezielt interne Karrieren, der Aufstieg vom Azubi in eine Schlüssel- oder Führungsposition kann nach eigenen Angaben schnell erfolgen. Die nachhaltige Entwicklung des eigenen Nachwuchses begreift man am Hauptsitz Allmersbach als Zukunftsinvestition. Eine Investition, die sich lohnt, weiß Berater Thomas Schmitt. „Mit guten Mitarbeitern ist es wie mit Kunden: Der Aufwand, sie zu finden, ist viel höher als der Aufwand, sie zu halten. Generell gilt: Bis ein neuer Mitarbeiter voll wertschöpfend tätig wird, schlägt erst einmal die Zeit der Stellenvakanz und die Einarbeitungsphase negativ zu Buche.“ Dieser Kostenfaktor belastet auch die Bilanz der Kunststoffindustrie. Ingemar Bühler von Plastics Europe Deutschland appelliert daher an die Geschlossenheit der Branche: „Der Fachkräftemangel geht an die Substanz unserer Industrie und gefährdet unsere Wettbewerbsfähigkeit. Daher gilt es, das Engagement – auch in Zusammenarbeit mit Politik und Gesellschaft – in Zukunft weiter erheblich auszubauen.“

Über das Packaging Valley: 2022 haben 17 neue Mitgliedsunternehmen das Cluster erweitert. Mit über 100 Mitgliedsunternehmen lebt das Packaging Valley seine Vision als regionales Sprachrohr aus dem süddeutschen Raum.

von Karen Gellrich