„Die Verpackung in der Customer Journey zum Vergnügen machen“

Digitale Dienstleistungen und Marktplätze werden zunehmend auch die Verpackungswirtschaft prägen. Davon ist Mikael Fristedt Westre überzeugt, CEO und Gründer von Box Inc, einem Marktplatz für Kartons. Westre plädiert zudem für mehr Kreativität in der Verpackungsgestaltung.

Der Onlinehandel bekommt durch das Weihnachtsgeschäft gerade nochmals kräftigen Schub. Was bedeutet der Boom im E-Commerce für die Verpackungswirtschaft?

Dieser steigert natürlich zunächst einmal die Nachfrage nach Verpackungen aus Wellpappe, die den Großteil der Versandverpackungen ausmachen. Das Wachstum im Onlinehandel und der Trend zur Digitalisierung werden aber auch darüber hinaus prägend sein. Die Verbraucher führen die digitale Revolution an, indem sie sich schnell neue Wege zur Bewältigung ihres Alltagslebens aneignen: zum Beispiel die Art und Weise, wie sie interagieren, einkaufen und Verwaltungsaufgaben wie das Bezahlen von Rechnungen erledigen. Unternehmen fangen nun an, diesem Trend zu folgen. Sie haben erkannt, dass ihre Mitarbeiter bei der Arbeit am liebsten das Gleiche tun würden wie privat – eben die Interaktion, den Einkauf und administrative Aufgaben digital erledigen.

Was heißt das für den Verpackungseinkauf?

Die meisten Verpackungen werden immer noch mehr oder weniger auf die gleiche Weise beschafft, wie schon vor zehn Jahren. Der Suchprozess für Einzelhändler, die selbst eine informierte Entscheidung treffen wollen, ist zeit- und kostenintensiv. Ist es notwendig, ein Experte in der Verpackungsbeschaffung zu sein, um eine gute und nachhaltige Wahl zu treffen? Ich denke nicht! Die Digitalisierung hat die Macht, alte Strukturen zu vereinfachen, indem sie dem Käufer das notwendige Wissen und eine gut sortierte Auswahl online zur Verfügung stellt. Digitale Dienstleistungen und Marktplätze können Unternehmen, die Verpackungen benötigen, die Arbeit um ein Vielfaches erleichtern.

Mit dem Boom im Onlinehandel gibt es aber auch mehr Verpackungsmüll. Wie kann der reduziert werden?

Es gibt im Wesentlichen zwei Möglichkeiten, wie Hersteller Abfall vermeiden können: durch die Verringerung der Menge des verwendeten Verpackungsmaterials und durch eine nachhaltige Materialwahl. Die meisten Hersteller versuchen, die Materialmenge zu reduzieren, weil das in ihrem wirtschaftlichen Interesse liegt. Weniger Material bedeutet weniger Kosten. Eine bewusste Wahl muss aber auch getroffen werden, wenn es um das Material selbst geht. Wenn sie sich für eine Lösung auf Faserbasis wie eine Papiertüte entscheiden, sind die Chancen jedenfalls sehr hoch, dass diese recycelt wird.

Kreislaufwirtschaft und Recycling sind ebenfalls große Trends in der Verpackungswirtschaft, die auch das Jahr 2021 prägen dürften. Eine Herausforderung beim Recycling besteht allerdings noch darin, dass es international unterschiedliche Infrastrukturen für die Trennung und Verwendung von Recyclingmaterialien gibt.

Welche Lösungen sehen Sie?

Die langfristige Lösung bestünde darin, die Infrastruktur jeweils so zu verbessern, dass Abfallströme sauber getrennt werden und Materialien dann effektiv recycelt werden können. Die kurzfristige Lösung ist, als Hersteller eine kluge Wahl zu treffen und ein Material zu wählen, das in der bestehenden Infrastruktur leicht recycelt werden kann. Verpackungen auf Faserbasis sind die wahren Champions des Verpackungsrecyclings in Europa: Die Recyclingrate für Papier- und Kartonverpackungen erreichte 2018 in der EU 85,8 Prozent – mehr als doppelt so hoch als bei Kunststoffen.

Gerade im Onlinehandel muss Verpackung auch bei der Vermarktung helfen. Welche Möglichkeiten sehen Sie, um Verpackungen aus Wellpappe attraktiver zu gestalten?

Die meisten E-Commerce-Verpackungen werden immer noch in einer anonymen braunen Schachtel geliefert. Ein Grund dafür ist, dass es für Einzelhändler bislang schwierig war, kosteneffiziente Lösungen für Markenverpackungen oder Sondereditionen zu finden. Fortschritte in der Technologie der Verpackungsproduktion haben es aber möglich gemacht, Verpackungen auf völlig neue Art und Weise anzupassen und sogar Verpackungen personalisiert zu gestalten. Eine Markenverpackung war früher mit erheblichen Kosten im Design- und Produktionsprozess verbunden, sodass sie zu einem exklusiven Merkmal für große Marken wurde.

Die Digitalisierung in der Verpackungsherstellung sowie die Beschaffung von Verpackungen über Onlineplattformen geben Unternehmen die Möglichkeit, kreativ zu sein. Und das sollten sie auch: Studien haben gezeigt, dass bis zu 50 Prozent der Verbraucher denken, die Verpackung entspreche nicht dem Standard des von ihnen bestellten Produkts. Onlinehändler müssen sich entscheiden, ob sie die Verpackung zu einem schönen oder schlechten Erlebnis in der Customer Journey machen wollen.