„Ohne RedBull gäbe es die Getränkedose nicht mehr“

Branchenexperte Wolfgang Hinkel, ehemals Geschäftsführer von Ball Packaging Europe Metall, über eine Entwicklung, die vor 15 Jahren niemand für möglich gehalten hätte.

Herr Hinkel, die Getränkedose ist zurück, ihre Popularität steigt weiter.
Um das einordnen zu können, müssen wir auf die Einführung der Pfandpflicht 2003 zurückblicken: Im Jahr zu­vor hatte der Konsum 6,1 Milliarden Dosen betragen. Im ersten Pfandjahr gab es kein Rücknahmesystem und so wurden 2004 nur 249 Millionen Dosen konsumiert. Normalerweise ist man bei solchen Zahlen bankrott!
Wir waren gegen die Pfandpflicht, weil es kein Rücknahmesystem gab. Das wurde erst am 1. Mai 2006 installiert und das hat dann auch funktioniert. Heute finden Sie keine bepfandeten Getränkedosen mehr in der Landschaft, das Littering ist verschwunden. 99 von 100 Getränkedo­sen werden eingesammelt.

Was hat sich geändert?
Beim Verbraucher gibt es ein anderes Bewusstsein, heutige Jugendliche kennen ja gar nichts anderes als das Pfandsystem. Und so werden wieder Milliarden Dosen konsumiert, denn die Dose hat viele Vorteile: Sie ist leicht im Gewicht, leicht zu kühlen und einfach sehr convenient.

Welche Rolle spielt Red Bull? Das gab es nie anders als in der Dose.
Red Bull hat am Überleben und dem Comeback der Getränkedose einen großen Anteil! Im Chaosjahr 2003 haben Red Bull und die Dosenhersteller ein kleines, eigenes Rücknahmesystem installiert. Sie müssen bedenken, dass zum 1. Oktober 2003 Getränke in Dosen vom Handel ausgelistet worden waren. Es gab zwei Ausnahmen: Rewe hat mit Pfandbons gearbeitet, Lekkerland mit dem P-System. Ohne Red Bull und das P-System wäre die Getränkedose in Deutschland damals vom Markt verschwunden! Und auf dem Markt der Energydrinks hat die Getränkedose die anfangs noch weit verbreiteten PET-Flaschen verdrängt.

Bei manchen Getränkesorten kommt die Dose häufiger zum Einsatz. Welche Gründe gibt es dafür?
Das Abfüllen von kohlensäurehaltigen Getränken ist etwas leichter, weshalb Sie überwiegend diese Getränke finden. Die Kohlensäure sorgt dafür, dass die Dose nicht vollständig befüllt werden muss und dennoch formstabil bleibt. In den Niederlanden gibt es auch Milch- und Kakaogetränke in Dosen. Eigentlich können Sie jedes beliebige Getränk in Dosen abfüllen.

In den 60er und 70er Jahren gab es Orangensaft aus der Dose.
Das wird entwickelt. Aktuell gehen Mischgetränke wie Whisky-Cola sehr gut. Für Energydrinks ist die Dose die bevorzugte Packung. Die passt perfekt.

Und beim Bier?
Im Vergleich zu PET ist die Dose die bessere Wahl. Besser zu kühlen, andere Haptik und auch der Geschmack geht nicht verloren. Durch die kleineren Füllmengen ist es möglich weniger Kalorien und Zucker zu konsumieren. Ein Beispiel ist die 15-Milliliter-Dose. Sie erfüllt die Eigenschaften. Trotzdem gibt es Kritik.

Gibt es Getränke, die erst in jüngerer Zeit in der Dose angeboten werden?
Es gibt auch Secco, Weinschorlen und Wein. Dass solche Getränke in der Dose eine Chance haben, zeigt das Beispiel Apfelwein. Die Getränkedose hat ihn „trendy“ gemacht. Der Absatz ist in den letzten Jahren ständig gestiegen.

Was sind die signifikantesten Veränderungen in den letzten Jahren?
Die Entwicklung von einer fast 50 Gramm schweren dreiteiligen zu einer 15 Gramm leichten zweiteiligen Getränkedose! Eine Halbliterdose wiegt nur noch 14,8 Gramm. Das heißt, dass der Anteil der Verpackung nur 3 Prozent und der des Getränks 97 Prozent beträgt. Weniger Verpackung geht nicht. Die Dose ist die leichteste Verpackung für kohlensäurehaltige Getränke. Ferner wurden der 
Energieeinsatz und die Auftragsgewichte für Lacke und Farben reduziert. Anstelle lösemittelhaltiger werden nur noch auf Wasser basierende Lacke und Farben verwendet. Alles Maßnahmen, die den ökologischen Fußabdruck über einen Zeitraum von über 40 Jahre ständig verbessert haben.

80 Prozent der Getränkedosen sind aus Aluminium. Sie wurden kritisiert, weil die Aluminiumproduktion so energieaufwendig ist.
Ökologie und Ökonomie gehören zusammen. Ein Beispiel ist der Energieverbrauch: Daran wird bei der Aluminium- und Stahlproduktion ebenso gearbeitet wie bei der Getränkedosenfertigung. In Deutschland betreiben drei Hersteller sechs Produktionsstätten, das garantiert geringe Entfernungen zu den übers Land verteilten Abfüllanlagen. Beim Transport von gefüllten Dosen kann ein Lkw 80 Prozent mehr Getränke transportieren als in anderen Verpackungen. Bei den Getränkedosen zeigt sich zudem der Vorteil des guten Pfandsystems: 42.000 Rücknahmeautomaten gibt es bundesweit. Durch das DPG-Pfandsystem kommen 99,1 Prozent aller Getränkedosen als Sekundärrohstoffe in den Wertstoffkreislauf zurück. Auf einem Lkw können 1.400.000 zu Paketen gepresste gebrauchte Dosen zu den Recyclingzentren transportiert werden. Von den Metallen Aluminium und Stahl geht quasi nichts verloren, sie können immer wieder eingesetzt werden. Gegenüber der Neumaterialproduktion werden bis zu 95 Prozent CO2-Äquivalente und 95 Prozent der Energie eingespart.

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