Tabakbranche gegen Track & Trace

Ab Mai 2019 müssen die Anbieter von Tabakwaren den Weg jedes einzelnen Produktes innerhalb der Europäischen Union lückenlos nachvollziehen können.

Mit Track & Trace fordert der Gesetzgeber ein System zur Überwachung aller Produktionsstätten und Handelsstufen – von der Zigarettenmaschine bis zum Kiosk. In der Tabakindustrie stoßen die neuen Regeln jedoch auf massive Kritik. „Das bedeutet für uns als herstellendes Unternehmen zunächst einmal eine Masse an zusätzlicher Bürokratie und technischen Anforderungen“, sagt Tobias Baude, Senior Engagement Manager für Coding & Tracking beim Zigarettenhersteller Reemtsma.

Hinzu kommt, dass die EU-Vorgaben noch von der Bundesregierung in nationales Recht umgesetzt werden müssen. Was jedoch bis Mitte August 2018 nicht geschehen war. „Uns Herstellern sind dadurch die Hände gebunden, da ohne entsprechenden Beschluss keine Testphase initiiert werden kann“, erklärte Baude zum damaligen Zeitpunkt. Dabei drängte die Zeit, weil das System am 20. Mai 2019 umgesetzt sein muss. Bis dahin müssen auch die Maschinen umgerüstet werden, was zeitaufwendig ist und nicht von vielen Anbietern am Markt gemacht werden kann. „Für uns Hersteller bedeutet das: Millionenkosten für die Umstellung und Umrüstung in einem kaum realisierbaren Zeitfenster“, beklagt Baude.

Der Nutzen indes wird bei Reemtsma als gering eingeschätzt. Grund: Der Großteil der illegalen Zigaretten werde in der Ukraine oder Weißrussland über die Grenze in die EU geschmuggelt. Diese Zigaretten würden durch das europäische Track & Trace-System erst gar nicht erfasst. Im innereuropäischen Groß- und Einzelhandel werde zwar laut Baude nicht geschmuggelt, er werde jedoch zukünftig so behandelt.

„Für uns Hersteller bedeutet das: Millionenkosten für die Umstellung und Umrüstung in einem kaum realisierbaren Zeitfenster“
Tobias Baude, Senior Engagement Manager für Coding & Tracking beim Zigarettenhersteller Reemtsma

Dabei gebe es bereits ein sehr gut funktionierendes europäisches EMCS-System der Zollbehörden sowie Steuerzeichen auf den Packungen. „Mit dem künftigen Track & Trace-System wird daher an der falschen Stelle angesetzt und am Ziel vorbei reguliert“, meint Baude. „Der gigantische Prozessaufwand sowie unklare und impraktikable Vorschriften belasteten Hersteller und Handel enorm.“ Die hohen Kosten für die Umsetzung des neuen Systems setzten zudem wegen steigender Preise weitere Anreize für die Verbraucher, sich Tabakprodukte in Nachbarländern mit niedrigeren Preisen oder illegal aus Nicht-EU-Staaten zu beschaffen.

Ob und welche Sicherheitssysteme für Hersteller geeignet sind, richtet sich danach, wie groß der Druck durch Fälschungen ist – und welche Gefahren davon ausgehen. Dabei ist zu bedenken, dass Fälschungen sehr oft nicht über die üblichen Lieferwege zum Kunden kommen. Damit können etwa Track & Trace-Systeme umgangen werden. Insbesondere bei Lebensmitteln und Medikamenten spielt der Schutz vor Gefahren eine entscheidende Rolle. Weit vorangeschritten ist etwa auch die Automobilindustrie, bei der es inzwischen üblich ist, dass bestimmte Bauteile wie Airbags von Zulieferern serialisiert und konkret identifizierbar sind. Das Produkt wird dann standardmäßig vom Käufer, also dem jeweiligen Autokonzern identifiziert. Hier stehen Aufwand und Nutzen in einem Gleichgewicht. In anderen Branchen, etwa der Kosmetik, ist der Druck nicht ganz so hoch – und die staatliche Regulierung geringer. Hier muss jedes Unternehmen für sich entscheiden, ob sich die Investitionen in entsprechende Systeme lohnen.

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