Intelligente IT-Prozesse in der Verpackung

Sie muss auch schon mal das Klima im Urwald aushalten und Salzwasser vertragen: Eine Industriegüter-Verpackung hat Eigenschaften, die sie fast immer einzigartig machen. Der Anspruch an eine Verpackung wächst im globalen Maschinenmarkt, erklärt Marc Hübner, Head of Business Development bei der Deufol SE, einem Anbieter für Verpackungsdienstleistungen und angrenzende Services.

93 Niederlassungen in elf Ländern und 290 Millionen Euro Umsatz im Jahr zählt Deufol.  Die Firma mit Hauptsitz in Hofheim (Wallau) nahe Frankfurt am Main packt fast alles ein, was exportiert wird. Die logistische Abwicklung übernimmt der Verpacker gleich mit. „Alles, was der deutsche Maschinenbau herstellt, kann zu uns“, erklärt Hübner. Namen von Kunden möchte er nicht nennen, unter ihnen sind große Mittelständler sowie die ganz großen internationalen Industrieunternehmen. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel ein Kraftwerk in Brasilien baut, dann sind es Deufol-Verpackungen, die die Turbinen und andere Einzelteile auf ihrem weiten Weg nach Übersee schützen.

Bis zu zehn Jahre Konservierungsschutz

Ein wichtiges Leistungsmerkmal von Transportverpackungen ist der Konservierungsschutz. Eine entsprechende Verpackung kann einen Schutz von bis zu zehn Jahren bieten, im Durchschnitt sind es jedoch meist rund zwei Jahre. Grund: Die kostbare Ware kann nicht immer gleich ausgepackt werden. Der Bau eines Kraftwerks dauert nun mal, um im Beispiel zu bleiben. Ein anderes Beispiel: Iraner können bereits gekaufte Maschinen aufgrund des Embargos gegen das Land derzeit nicht importieren. Die bestellte Ware bleibt auf unbestimmte Zeit  verpackt. Deufol wäre nicht der größte Industriegüterverpacker, wenn er nicht auch Logistik anbieten würde. Denn das eine hänge in dieser Branche mit dem anderen zusammen. Weltweit hat das deutsche Unternehmen Standorte an allen strategisch wichtigen Handelshäfen, um Industriegüter für den Export vorzubereiten. Vor zwei Jahren eröffnete der Verpackungsspezialist eine Niederlassung am Mülheimer Hafen und rückte damit nah an einen seiner größten Kunden.

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Dabei arbeitet Deufol mit den großen Spediteuren in der Branche zusammen, ohne einen eigenen Transportfuhrpark führen zu müssen. Dafür aber mit Konzentration auf jede Menge IT, die die Transporte begleitet: „Intelligente IT-Prozesse stecken hinter jedem Transport und hinter jeder Verpackung“, so Hübner. „Mit unseren IT-Lösungen können wir für jedes einzelne Versandstück bis hin zur kleinsten Schraube den kompletten Weg vom Hersteller bis zum Zielort nachvollziehen.“ Vom Wareneingang bis zum -ausgang könne per Fotodokumentation festgehalten werden, wie ein Industriegut transportiert werde. Und wie es diesem auf seiner Reise durch den Amazonas oder Urwald gehe, erfahre man durch Sensoren und spezielle Messgeräte in der Verpackung: Kontrolliert wird zum Beispiel die Luftfeuchtigkeit, Erschütterungen oder Temperatur. Für alle Prozessschritte innerhalb der Supply Chain gibt es eine App – nicht jeder Kunde möchte jedoch alle Apps abonnieren, um die Schritte nachzuverfolgen. „Der eine will die Fotodokumentation sehen, der andere den Tracker.“

Das intelligente Verpacken basiere aber auf dem guten alten System der Holzkiste, scherzt Hübner. Und tatsächlich: Im Jahr kauft Deufol für mehrere Millionen Euro Holz, um daraus Verpackungskisten nach HPE-Standard zu bauen – manche sind so groß wie ein Mehrfamilienhaus. „Vereinfacht gesagt: Wir haben jede Menge intelligente Prozesse und dazu noch die Kisten. Work smarter, not harder, lautet unser Motto.“

Verpackungsspezialisten reisen zum Auspacken hinter der Ware her

Damit die intelligente Verpackung bis zuletzt ihren Zweck erfüllt, reisen Deufol-Mitarbeiter manchmal hinter der Ware her: Die Baustellenbegleitung gehört im Fall des Kraftwerkturbinen-Auftrags dazu. Der Verpacker müsse vor Ort „fachgerecht auspacken“. Auch wenn eine Verpackung von Schwergütern, etwa eines 300 Tonnen schweren Verdichters, am Ende die Größe von vier Reihenhäusern haben kann: Das Ziel des Familienunternehmens sei, so wenig wie möglich Verpackung anzusetzen und auch im sensiblen Industriegüter-Bereich auf Mehrwegverpackungen zu setzen. Daher werde so manche Maschine bis zum Hamburger oder Bremerhavener Hafen in Mehrweg-Spezialkonstruktionen auch unverpackt transportiert – damit sie auf einen normalen Lkw passt. Weniger Verpackung bedeute schließlich auch weniger Transportkosten.

Ein Paradebeispiel für Mehrweg-Industriegüterverpackungen sind Europaletten. Deufol hat die Conpal – Containerpalette – und die Conbox – Containerbox – als Mehrweg-Produkte entwickelt, die weltweit eingesetzt werden können. Und dann gibt es noch die Geschichten, die unter dem Stichwort Mehrwert weder in den Handbüchern noch in der Bilanz des Unternehmens stehen: In so manchem afrikanischen oder südamerikanischen Land sind die beliebten Holzverpackungen ruckzuck verschwunden. Kinderbetten oder gar ganze Häuser werden aus Deufol-Kisten gebaut, hat Hübner gesehen. In Deutschland würde man von Upcycling sprechen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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