„Kunststoff ist nicht das Problem, sondern wir“

Im Exklusiv-Interview mit packaging-360.com spricht David Katz, Gründer und CEO des Sozialunternehmens Plastic Bank, über den Wert von Kunststoff. Jeder Einzelne sollte sein eigenes Verhalten überprüfen, denn die Verbraucher und nicht die Hersteller seien es, die Kunststoff achtlos wegwerfen.

Warum nennen Sie Ihr Unternehmen eine Bank?

David Katz: Der Wert ist der Kunststoff. Stellen Sie sich vor, sie finden ein Feld voller Diamanten, können diese aber nirgendwo zu einer Bank bringen, um sie umzutauschen. Dann nutzen ihnen keine Diamanten. Wir wollen Kunststoff einen Wert geben. Wir nutzen digitale Bezahlsysteme. .

Beschreiben Sie kurz, was die Plastic Bank macht.

Katz: Die Plastic Bank richtet Recycling-Ökosysteme in Ländern ein, die über keine ausreichende Entsorgungsinfrastruktur verfügen und in denen Umweltverschmutzung und Armut weit verbreitet sind. Wir richten Sammelstellen ein und beschäftigen Menschen dieser Regionen, um diese Ökosysteme zu verwalten. Die Bewohner können Kunststoffabfall aus ihrer Umgebung sammeln und es zu ihrer örtlichen Plastic-Bank-Filiale bringen, wo sie es gegen Geld, frische Lebensmittel, sauberes Wasser, Mobiltelefondienste, Speiseöl oder sogar Schulgeld für ihre Kinder eintauschen können. Die Sammler erhalten zusätzlich zum Marktwert des Kunststoffs eine Prämie für soziales Plastik, die ihnen ein stabiles, existenzsicherndes Einkommen sichert.

In Deutschland gibt es grundsätzliche Kritik an der Verwendung von Kunststoff oder viele, die Verpackungen an sich ablehnen. Andere behaupten, dass Unternehmen wie Coca–Cola nur Greenwashing betreiben, dass der Anteil an Ocean Plastik immer noch gering sei. Was sagen Sie dazu?

Katz: Jeder von uns sollte bei sich selbst anfangen, bevor er anderen vorschreibt, was sie machen sollen. Es wird schnell laut Kritik geübt, aber jetzt geht es darum, zu handeln. Natürlich können die großen Unternehmen noch mehr tun, um nachhaltiger zu sein. Aber fangen wir doch damit an, zu sagen, was wir tun können. Jeder Anteil an Social Plastic ist besser als gar keiner.

Es sind nicht die Konzerne das Problem, sondern wir. Daher stehen wir jetzt da, wo wir sind. Würde jede Flasche 5 Euro oder 5 Dollars kosten, würde sie niemand mehr wegwerfen. Es ist nicht der Kunststoff das Problem, oder Coca-Cola, sondern wir, die wir die Verpackung wegwerfen. Ich bin der Käufer, derjenige, der die Verpackung wegwirft. Wir haben nicht schlechte Verpackungen, sondern einen schlechten Umgang mit Verpackungen. Ich kann entscheiden, ob ich Leitungswasser trinke, abgepacktes Wasser kaufe oder wiederverwertbare Behälter verwende.

Was machen Sie derzeit auf ihrer Europareise?

Katz: Ich besuche Unternehmen, die Kunststoffe für Verpackungen verwenden und bereit sind, Social Plastik zu verwenden. In Deutschland traf ich die Verantwortlichen von Henkel und Metro. In Italien war ich bei Cartonpack, das ist ein großer Hersteller von Obstverpackungen für Supermärkte. Es machen immer mehr Hersteller mit. So können wir im nächsten Jahr auch neue Sammelstellen eröffnen, zum Beispiel in Kenia und Tansania. Thailand und Kamerun sind als Länder auch gerade hinzugekommen. Wir wachsen.

Sie haben 2013 als Start-up begonnen, sind inzwischen ein global Player, wenn man das so sagen kann. Haben die Menschen ihr Verhalten geändert?

Katz: Ich bin sehr optimistisch, die jüngere Generation achtet mehr auf die Umwelt. Die Klima-Bewegungen zeigen die Veränderungen. Ich kann nicht die Probleme aber nicht allein lösen, ich bin Teil der Lösung und Teil eines neuen Wegs, zu denken. Wir müssen Virgin Plastic stoppen, das Ziel sollte es sein, nur noch recyceltes Material zu nutzen. Aus rein humanitären Gründen.

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