Aufwind für Einweg?

Luke Barrs, Investmentexperte von Goldman Sachs, sieht im wachsenden E-Commerce strukturellen Rückenwind für die Anbieter von Verpackungen. Doch er erwartet auch weiter hohen Druck von regulatorischer Seite.

International ist während der „Corona-Lockdowns“ der E-Commerce sprunghaft gestiegen. Was bedeutet das für die Verpackungswirtschaft?

Die E-Commerce-Durchdringung wird wahrscheinlich auch bei einer Normalisierung der Wirtschaft höher bleiben als vor der Krise. Das könnte Anbieter von Verpackungen durchaus strukturellen Rückenwind geben. Gesundheits- und Hygienebedenken können zumindest kurzfristig zu einem verstärkten Einsatz von Einwegverpackungen führen – wie jüngst zu beobachten in Supermärkten und Coffee-Shops, wo die Verwendung wiederverwendbarer Beutel und Tassen eingeschränkt wurde.

Und welche Folgen hat das aus Umweltsicht, zum Beispiel in den USA?

Vor der Krise machten Verpackungen für Produkte, die nach Hause geliefert werden, bereits 30 Prozent des jährlichen US-Feststoffabfallaufkommens aus. Mittlerweile ist die Hälfte aller jemals produzierten Kunststoffabfälle in den vergangenen fünfzehn Jahren entstanden – von denen aber nur neun Prozent wiederverwertet wurden. Viele Regierungen haben ja inzwischen Maßnahmen ergriffen: von Gebühren für Plastiktüten bis hin zum Verbot einiger Einwegprodukte aus Kunststoff. Auch die Unternehmen haben auf den Bedarf an nachhaltigen Verpackungsoptionen reagiert und sich um Innovationen bemüht, um Alternativen zu schaffen.

Ist der Aufwind von Einwegverpackungen also nicht „nachhaltig“?

Insbesondere die negative ökologische Bilanz von Kunststoff beschäftigt Verbraucher schon seit einiger Zeit. Über die kurzfristigen Verhaltensänderungen hinaus erwarten wir anhaltenden regulatorischen Gegenwind für Kunststoff. Also wird der Aufwind in der Verpackungswirtschaft nur dann anhalten, wenn es weitere Innovationen bei nachhaltigen Verpackungslösungen gibt.

 

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