„Jeder Einkauf ist ein Statement“

Nestlé-Kommunikationschef Helmut Gahmann über die neue Sicht des weltgrößten Lebensmittelherstellers auf den Konsumenten.

Die Verbraucher von heute wollen nicht nur Konsumenten sein. Die Markenhersteller sollten sich daher auch nicht mehr nur in der Rolle des Versorgers betrachten, so Hartmut Gahmann, Director Corporate Communications + Public Affairs bei Nestlé Deutschland. Der moderne Verbraucher habe eine Haltung, vertrete Werte. Dafür benötigt er Partner. „Findet er diese bei Institutionen, aber auch in Marken? Die Unternehmer überlegen, wie sie eine Art Partner des Verbrauchers werden können. Wie können sie Werte kommunizieren?“, sagt der Marketing-Experte von Nestlé.

Erklärungsbedarf für Lebensmittel steigt

Für Konzerne wie Nestlé gehe es darum, die Vorstellungen und Werte der Verbraucher in den betreffenden Geschäftsbereichen zu kennen. Denn nicht alles, was legal sei, sei legitim. So müsse ein Lebensmittelhersteller wissen, wie die Konsumenten die Rohstoffe bewerten und welche Vorstellungen sie aktuell zu der Frage haben, was gerecht oder ungerecht ist. Die Balance zur Meinung der Shareholder müsse am Ende stimmen. „Und die Entscheidung muss entsprechend kommuniziert werden“, so Gahmann. „Mit der Entwicklung und dem Verkauf eines Produkts ist es heute längst nicht mehr getan. Wir haben ein sehr hohes Erklärungspotenzial in den sozialen Medien.“ Beim sogenannten „Hater“ sei aber ohnehin nichts mehr zu holen, hatte Gahmann zuvor gesagt.

Lebensmittelkennzeichnung bietet Orientierung

Der Wandel im Lebensmittelkonsum sei überall zu spüren. Zudem kommen neue Themen wie Nutri Score auf. Nestlé spricht sich für diese Lebensmittelkennzeichnung aus. Das System biete Orientierung und funktioniere im europäischen Markt. Wer Verpackungen herstellt, sei darauf angewiesen, dass sie in Europa einheitlich sind, sonst seien die Kosten zu hoch. Das Risiko, dass ganze Produktreihen beim Verbraucher durchfallen könnten, weil auf der Verpackung zu lesen ist, wie viel Zucker enthalten ist, sieht Gahmann nicht zu hoch. Es werde beides geben: ernährungsbewusste Verbraucher und diejenigen, die ein Produkt kaufen, weil sie zum Beispiel gerade Lust auf Chips haben. Insbesondere jüngere Verbraucher betrachten Ernährung als einen Weg, um sich in der Leistungsgesellschaft zu optimieren. Proteinalternativen aus Insekteneiweiß seien daher kein Scherz. „Solange der Geschmack stimmt, werden wir solche Produkte auf den Markt bringen.“ Auch der werteorientierte Konsument werde weiterhin zu verpackten Lebensmitteln greifen, ist sich Gahmann sicher. „Aber er reflektiert das.“ Grundsätzlich sei „jeder Einkauf ein Statement. Ob ich Pommes auf der Frankfurter Zeil esse oder mit der mitgebrachten Tupperdose in den Supermarkt gehe.“

Nestlé bekennt sich zum Pariser Abkommen

Zudem wies er darauf hin, dass sich die Antworten aus der Nestlé-Studie von 2015 „Wie isst Deutschland 2030?“ bewahrheitet hätten. Damals gaben die meisten Befragten an, dass ihnen nachhaltiger Konsum wichtig sei. „Damit ist auch die Verpackung gemeint.“ Daher stelle sich für Nestlé auch die Frage, welchen Beitrag die Verpackung zur Nachhaltigkeit leisten kann. Allerdings betonte er auch, dass die Verpackung nur etwa 10 Prozent des Kohlendioxidausstoßes eines Produkts ausmache. Nestlé-Verpackungsexperte Christian Detrois verwies beispielsweise auf der letzten FachPack darauf, dass 55 Prozent des Kohlendioxid-Footprints die Rohstoffe ausmachen. Der weltgrößte Lebensmittelkonzern Nestlé hatte im September angekündigt, bis 2050 seine Netto-Treibhausgasemissionen auf null zu senken. Das Unternehmen schließt sich damit dem Ziel des Pariser Abkommens an, den globalen Temperaturanstieg auf 1,5 °C zu begrenzen.

Wie is(s)t Deutschland 2030?
Nestlé Zukunftsforum (Hrsg.)
Deutscher Fachverlag
Softcover (208 Seiten)
29,80 Euro
ISBN 978-3-86641-309-2
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