Lidl setzt neue Standards für Kinderprodukte

Der Discounter Lidl will ab sofort keine auf Kinder abzielende Werbung für ungesunde Lebensmittel – etwa überzuckerte Joghurts oder Getränke oder Schokolade – mehr machen. Auch die Verpackungen der Eigenmarken werden umgestellt. Ausnahmen soll es für Aktionsartikel zu Weihnachten, Ostern oder Halloween geben. Werbung für Schoko-Osterhasen ist also weiterhin für Lidl okay.

Mit Stickern, Sammelfiguren und auffälliger Verpackung zeigen Hersteller, dass ihr Produkt für Kinder besonders geeignet ist. Zahlreiche Produkte mit Kinderoptik zeichnen sich aber auch häufig dadurch aus, dass sie reichlich Zucker, Fett und Zusatzstoffe enthalten, so der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Die Supermarktkette Lidl will nun Werbung für solche Produkte einstellen. „Lidl setzt damit als erster deutscher Lebensmitteleinzelhändler eine entsprechende Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) um”, teilte der Discounter mit. Auch die Bundesregierung hat das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. Im Koalitionsvertrag der Ampel-Koalition heißt es im Kapitel Ernährung: „An Kinder gerichtete Werbung für Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- und Salzgehalt darf es in Zukunft bei Sendungen und Formaten für unter 14-Jährige nicht mehr geben.”

Verpackungen auf dem Prüfstand

Das Unternehmen der Schwarz-Gruppe will auch die entsprechenden Verpackungen aufgrund dieser Thematik hinterfragen. Bis Ende 2025 will Lidl nach eigenen Angaben außerdem nur noch solche Lebensmittel aus seinen Eigenmarken in für Kinder attraktiver Verpackung verkaufen, die die WHO-Kriterien für gesunde Nahrung erfüllen. Die Verpackungen würden Schritt für Schritt umgestellt. „Da eine Fehlernährung im Kindesalter das Risiko ernährungsbedingter Erkrankungen im Erwachsenenalter erhöht, ist die Bewerbung gesunder Lebensmittel und der Verzicht von Werbung ungesunder Lebensmittel bis zum 14. Lebensjahr zentral für die Gesundheit”, heißt es.

Rückenwind gibt es von zahlreichen Verbraucherorganisationen wie zum Beispiel Foodwatch. Eine Foodwatch-Untersuchung von fast 300 Lebensmittelprodukten führender Markenhersteller ergab 2021, dass 86 Prozent der gezielt für Kinder beworbenen Produkte gemessen an den WHO-Standards zu viel Zucker, Fett und/oder Salz enthielten. Seitdem seien nur wenige Fortschritte zu sehen, obwohl die Unternehmen eine freiwillige Selbsterklärung abgegeben hätten, erklärte Foodwatch.

Die Markenhersteller sehen das anders. Lagnese-Hersteller Unilever betonte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur, er habe bereits im April vergangenen Jahres die Vermarktung und Werbung von Lebensmitteln und Getränken an Kinder unter 16 Jahren sowohl für traditionelle Medien als auch für Social Media eingestellt. Der Lebensmittelkonzern Mondelez, unter anderem Hersteller von Milka teilte mit, er halte sich in Deutschland bei all seinen Werbemaßnahmen an die Selbstverpflichtung, „keinerlei Werbung zu schalten, die das Ziel hat, Kinder unter 14 Jahren zu erreichen”. Auch Wettbewerber Danone betonte: „Wir unterstützen Regelungen in diese Richtung.” Produkte wie die Fruchtzwerge „weniger süß” hielten die Nährwert-Kriterien der WHO heute bereits ein, sagte eine Unternehmenssprecherin.