Aus Plastikmüll wird Rohstoff

Klaus Feichtinger und Manfred Hackl sind die Preisträger des Europäischen Erfinderpreises 2019 in der Kategorie Industrie. Die beiden Österreicher haben ein Verfahren für ein verbessertes Kunststoffrecycling entwickelt. 

Die Idee, mit der die beiden österreichischen Erfinder und Geschäftsführer Klaus Feichtinger und Manfred Hackl das Recycling von Kunststoff sozusagen neu erfanden, begann als einfache Zeichnung. Dank ihrer patentierten „Counter-Current-Technologie“ (zu deutsch: „Gegenstromtechnologie“) kann heute eine viel größere Palette unterschiedlichster Kunststoffabfälle zu Regranulat verarbeitet werden. Daraus macht die Industrie wieder Kunststoffe, die von neuem Kunststoff nicht zu unterscheiden sind. Kunststoffrecycling ist aufwendig und zeitintensiv. Die Trennung des Kunststoffs von anderen Abfällen kann ziemlich lange dauern. Um verwertbares Material zu gewinnen, ist für jede Art von Kunststoff ein eigenes Verfahren nötig. Feichtinger und Hackl haben eine neue Technologie entwickelt, mit deren Hilfe Kunststoffe effizient sortiert und getrennt werden können. Das bedeutet weniger Müll und mehr aufbereitetes Material für die Produktion, erklärt das Europäische Patentamt, das die beiden Linzer mit dem Europäischen Erfinderpreis 2019 in der Kategorie Industrie auszeichnete. Ihre Recyclingmaschinen können so groß sein wie Busse. Darin werden die Kunststoffabfälle bewegt, sortiert und gefiltert. Heraus kommt schließlich ein qualitativ hochwertiges Regranulat, das zur Herstellung neuer Produkte verwendet wird.

Eine Schlüsselrolle kommt dabei der innovativen „Counter-Current-Technologie“ von Feichtinger und Hackl zu.  Bei diesem Verfahren wird das Abfallmaterial in einen Extruder eingespeist und entgegengesetzt zur Bewegungsrichtung der Extruderschnecke bewegt. Man kann sich das so vorstellen, als wenn man einem Fluss Wasser entnimmt, indem man einen Becher entgegen der Fließrichtung ins Wasser hält. Auf diese Weise kann das Material schneller verarbeitet werden, als dies früher möglich war, und es geht auch mit weniger hohen Temperaturen. Diese Technologie, die aus einer Idee geboren wurde, die Feichtinger zunächst nur auf die Schnelle aufskizziert hatte, ist ein wesentliches Element der Recyclingmaschinen der beiden Erfinder. Sie ist durch mehrere europäische Patente geschützt.

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Feichtinger und Hackl arbeiten als Geschäftsführer bei EREMA. Das Unternehmen mit Sitz im österreichischen Ansfelden wurde 1983 gegründet und ist heute Weltmarktführer bei Kunststoffrecyclingmaschinen. Ihre Maschinen sind in 108 Ländern im Einsatz. Feichtinger und Hackl haben es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen dabei zu unterstützen, Verfahren einzusetzen, die zur Kreislaufwirtschaft beitragen.

Der Wert des weltweiten Markts für Kunststoffrecycling wurde 2017 auf fast 32 Milliarden Euro beziffert. Bis 2024 wird ein jährliches Wachstum von rund 6,5 Prozent auf einen Gesamtwert von nahezu 50 Milliarden Euro erwartet. In der EU müssen bis 2030 sämtliche Plastikverpackungen, die hier auf den Markt gelangen, recycelbar sein. So soll der Bedarf an neuem Kunststoff drastisch reduziert werden. Aufgrund dieser Entwicklungen investieren Getränkehersteller und andere Branchen in effiziente Recycling-Technologien wie die von Feichtinger und Hackl.

 

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