„Recycling ist eine echte Herausforderung“

Dr. Torben Erbrath, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Süßwarenindustrie e.V. (BDSI) erklärt im Interview neben anderem die Besonderheiten von Süßwaren-Verpackungen.

Werden Verpackungen im Süßwarenbereich kreativer und komplexer gestaltet als in anderen Lebensmittelbereichen?

In der Gestaltung und in den Materialien nicht grundsätzlich, aber jede Warengruppe hat ihre Besonderheiten. Der Geschenk- und Impulscharakter von Süßwaren führt zu Verpackungen, die als attraktiver Eyecatcher fungieren sollen. Das gilt vor allem für die Geschenk- und Saisonartikel. Pralinen sind beispielsweise so ein klassischer Geschenkartikel.

Welche Materialien kommen bei Süßwarenverpackungen vorwiegend zum Einsatz?

Wir arbeiten mit sehr komplexen und sehr unterschiedlichen Materialien. Von der Menge her hat vermutlich PET für Tiefziehschalen, die bei Pralinen aber ebenso Gebäck zum Einsatz kommen, einen großen Anteil. Bei  Bonbon-Folien dürfte dieser geringer ausfallen. Und dann haben wir viele Verbundmaterialien wegen der hohen Anforderungen an die Lebensmittelsicherheit. Ich denke da etwa an Materialien mit Barriereschichten.

Viele dieser Materialien stehen gegenwärtig in der Kritik.

Es gibt im Lebensmittel- und damit auch im Süßwarenbereich Verpackungen, die in Bezug auf das Recycling problematisch sind: etwa Tiefziehschalen, rußgefärbte schwarze Materialien und Verbundmaterialien. Die sind nach jetzigem Stand der Technik in der Entsorgungswirtschaft nicht recyclingfähig, selbst wenn dort Recyclate eingesetzt werden. Das ist eine echte Herausforderung und das sollte sich ändern, speziell bei den Tiefziehschalen aus PET, denn PET-Flaschen können ja gut recycelt werden. Ein weiteres Problem bilden die Einwickelmaterialien (außer Alu) bei kleinen Stücken wie Bonbons und Pralinen. Diese sogenannten Wickler sind oft schlicht zu klein, um sortiert und dem Recycling zugeführt werden zu können. Für solche Materialien, speziell die PET-Tiefziehschalen, sollte die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft Lösungen finden. Andererseits gibt es jedoch auch einige sehr positive Beispiele: So bestehen viele Haushaltspackungen von Speiseeis aus gut recycelbaren Monomaterialien.

Inwiefern spürt die Süßwarenindustrie den Druck durch das neue Verpackungsgesetz?

Der Druck kommt nicht allein durch das Verpackungsgesetz und von den Dualen Systemen, sondern ebenso vom Handel. Im Süßwarenbereich haben wir ungefähr 30 Prozent Handelsmarkenanteil. Viele Süßwarenhersteller produzieren folglich  Handelsmarken. Und die Handelsfirmen wiederum haben einen Wettbewerb in Sachen Recyclingfähigkeit in ihren Commitments eröffnet. Mehrere Handelsunternehmen  haben bezüglich der Recyclingfähigkeit ihrer Verpackungen konkrete prozentuale Ziele in Verbindung mit Jahreszahlen veröffentlicht – ob bis 2030, 2025 oder 2022. Lieferanten dieser Handelsunternehmen werden dadurch zwangsläufig unter Druck gesetzt. Und es ist noch nicht einmal klar, ob dafür die erforderlichen Recyclingkapazitäten vorhanden sind.

Daneben verpflichtet das Verpackungsgesetz ja die Dualen Systeme, Anreize zur Rabattierung nachhaltiger, recyclingfähiger Verpackungsmaterialien zu schaffen. Damit wurde beabsichtigt, durch die Staffelung der Beteiligungsentgelte einen monetären Druck auf die Hersteller auszuüben.

Die Hersteller saßen doch schon im Vorfeld beim Entwurf des Verpackungsgesetzes mit am Tisch. Folglich wussten Sie doch, was auf sie zukommt.

Ja, vor allem aber in Bezug auf die Zentrale Stelle Verpackungsregister. Jedoch blieb der Gesetzestext in Bezug auf die Förderung der Recyclingfähigkeit vage. Die Umsetzung dieser Anforderungen war noch unklar. Im Vorfeld wusste keiner, wie sich die Vorgaben konkret erreichen lassen – auch das Umweltbundesministerium und die Dualen Systeme nicht. Daher wurden die Zentrale Stelle und die cyclos GmbH mit der Formulierung der grundsätzlichen Anforderungen betraut und die Dualen Systeme haben immer noch die Freiheit, wie sie die finanziellen Anreize staffeln.

Und wie reagiert die Süßwarenindustrie darauf?

Wir haben schon mehrere Workshops zur Umsetzung des Verpackungsgesetzes, unter anderem mit der Zentralen Stelle und den Dualen Systemen durchgeführt, um zu erarbeiten, wie man das ausgestalten kann. Umwelt, Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit sind für uns wichtige Themen. Deswegen arbeiten wir bereits an der Recyclingfähigkeit von Plastikverpackungen, zumal Recyclingfähigkeit  obendrein einen Wettbewerbsvorteil bringen kann. Vielleicht wird Deutschland in diesem Bereich ja sogar wieder einmal Vorreiter. Im Umweltbereich allgemein sind wir ja leider in vielen Bereichen zurückgefallen. Die Süßwarenbranche kann dies jedoch nicht alleine bewirken, sondern hier sind sowohl die Verwender von Verpackungen insgesamt, die Hersteller von Verpackungsmaterialien, die Entsorger und die Dualen Systeme gleichermaßen gefragt.

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