Mehr Flexibilität, geringere Kosten

Inzwischen bieten Co-Packager  maßgeschneiderte Full-Service-Lösungen von der Verpackungsentwicklung und -fertigung über die Lagerung und Lieferung bis hin zur Supply-Chain-Optimierung an.

Für solche Aufträge leben gut aufgestellte Dienstleister in der Lohnverpackung, hier können sie ihre Stärken wie individuelle Beratung, umfassenden Service und enorme Flexibilität voll ausspielen: 2018 sorgte die Packservice PS Marketing GmbH aus Karlsruhe in Eigenregie dafür, dass ein namhafter Einzelhändler mit einem Weihnachtskalender unter dem Logo seiner Hausmarke die Kunden begeisterte. Packservice organisierte nicht nur, dass die von diversen Herstellern gelieferten Leckereien in 1,5 Millionen einzelne Faltschachteln sortiert und aus je 24 unterschiedlichen Schachteln die Kalender zusammengesetzt wurden.

Der Verpackungsspezialist übernahm die Qualitätskontrolle, schweißte die Kalender ein, packte sie zum Filialversand in Transportkartons. Auch bei der Packmittelentwicklung unterstützte der Dienstleister. in einem Netzwerk kooperiert er mit Experten für alle Themen rund um Verpackung. „Wir beraten und betreuen entlang der gesamten Wertschöpfungskette, von der Verpackungsentwicklung bis zur Auslieferung“, erklärt Vertriebsleiter Michael Spieth. „So bringen wir die Waren in bester Qualität an den Point of Sale, oft in von uns gestellten Displays für möglichst viel Aufmerksamkeit und Umsatz – dieses All-in wünschen immer mehr Kunden.“

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Packservice spielt in der ersten Liga der Lohnverpacker, mit umfassendem Leistungsspektrum und dem Fokus auf Konsumgütern. Insgesamt ist der Markt für sogenanntes Co-Packing allerdings recht unübersichtlich, was potenziellen Auftraggebern die Wahl des Dienstleisters oft erschwert. Das Spektrum der Anbieter reicht von Werkstätten für Menschen mit Beeinträchtigung über kleine Betriebe, die vor allem Minijobber beschäftigen, bis hin zu spezialisierten Mittelständlern und international tätigen Konzernen. Manche konzentrieren sich auf bestimmte Branchen, andere sind breit aufgestellt. Manche sind über die Kompetenz für ein bestimmtes 
Material, etwa Kartonagen, in das Geschäft gekommen, andere durch Logistikerfahrung. Einige verstehen unter Lohnverpackung das Abfüllen und Herstellen von Lebensmitteln, während andere ihre Dienstleistung nur darin sehen, Teile der Autoindustrie zur Lieferung an Werkstätten aus Großcontainern in kleinere Verpackungen zu verteilen.

Gemein haben die meisten Lohnverpacker den Wunsch, vom starken Wachstum des Marktsegments zu profitieren. Weltweit soll es bei jährlich 12 Prozent liegen, denn vor allem Konsumgüterhersteller setzen zunehmend auf individuelle Verpackungen und Aktionsangebote, die sie bevorzugt im Outsourcing erstellen lassen. Solche Zahlen haben etwa die Spedition Kuehne+Nagel veranlasst, über einen eigenen Lohnverpackungsservice nachzudenken, der den Kunden durch Kooperation mit lokalen Anbietern sowie den Einsatz modernster Technik etwa in Form von kollaborativen Robotern (Cobots) einen One-Stop-Shop anbieten könnte, eine komplette Dienstleistung rund ums Thema.

Für Matthias Giebel ist der Einstieg großer, teils branchenferner Unternehmen ins Geschäft mit der Lohnverpackung nur folgerichtig. „Die hohen Wachstumsraten sind logische Konsequenz der allgemeinen Entwicklung zur Individualisierung bei Verpackungen, für die Hersteller einen Dienstleister brauchen“, sagt der Partner der auf Verpackungsthemen spezialisierten Berndt+Partner Consultants GmbH in Berlin. „Viele Markenartikler scheuen die Kapitalbindung durch Maschinen und wollen zugleich ihr Angebot mit weiteren Sonderformaten ausdifferenzieren – das macht kompetente Lohnverpacker natürlich zu wichtigen Partnern, zumal deren Einsatz mehr Flexibilität bei geringeren Ausgaben bietet.“

„Viele Markenartikler scheuen die Kapitalbindung durch Maschinen und wollen zugleich ihr Angebot mit weiteren Sonderformaten ausdifferenzieren – das macht kompetente Lohnverpacker natürlich zu wichtigen Partnern, zumal deren Einsatz mehr Flexibilität bei geringeren Ausgaben bietet.“ 
Matthias Giebel, Partner Berndt+Partner Consultants GmbH

Schon immer profitierten Auftraggeber beim Outsourcing durch Zeit- und Kostenersparnis. Viele Lohnverpacker bieten aber inzwischen ein so breites Leistungsspektrum, dass sie ihren Kunden nicht nur Geld sparen, sondern ihnen Aufgaben weit entlang der Wertschöpfungskette abnehmen. Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass dies überlebenswichtig wird: 90 Prozent der Befragten erklärten in einer Umfrage der European Co-Packers Association (ECPA), sie setzten auf Komplettservice. Packservice mit rund 30 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz etwa wird zusätzlich auf Flächen von Kunden aktiv, forciert das Angebot von Value Added Services, kombiniert für hohe Flexibilität den Einsatz von Maschinen mit Handarbeit. Letztlich aber muss jeder Anbieter für sich klären, wie weitgehend der Service in seiner Nische sein muss beziehungsweise welche Art von Komplettservice ihm hilft, neue Kunden zu gewinnen.

E-Commerce ist der Wachstumstreiber

Stark beeinflusst wird die Branche durch das enorme Wachstum im E-Commerce, das auch die Lohnverpackung nachhaltig verändern dürfte. „Wenn Plattformen wie Amazon ihren Händlern durch Datenanalysen zeigen, welche Verpackungsvarianten Potenzial haben, oder ihr Fulfillment gleich um die Lohnverpackung ergänzen, bieten sich Dienstleistern neue Möglichkeiten“, so Berater Giebel. „Fragt sich nur, wie stark deren Position wird.“ Besser wäre es, direkt mit der Industrie neue Verpackungskonzepte auszuprobieren. Reagiert etwa ein Hersteller von Reinigungsmitteln auf das Ökobewusstsein seiner Kunden, indem er die Online-Order in wiederverwendbaren Behältern mit einer Art Pfandsystem anbietet, kann er dem Lohnverpacker einen Tankwagen schicken. Der füllt nach Bestellung die gewünschte Menge in Flaschen für den Kunden und organisiert Auslieferung sowie Rücknahme. Idealerweise stehen alle Maschinen zur Verpackung und Beschriftung beim Auftragnehmer, und der Hersteller delegiert die Arbeit komplett.

Wer sich als Lohnverpacker an der Wertschöpfungskette entlang wagt, könnte in eine Richtung Materialauswahl und Design der Verpackung übernehmen und sie produzieren lassen. Oder sich in die andere Richtung ans Ordersystem des Kunden anbinden, um Bestellungen autonom abzuwickeln. Thimm Packaging Systems beispielsweise lagerte im Rahmen einer Muttertagsaktion die Blumen eines Onlinefloristen, kombinierte nach Eingang einer Bestellung die frische Ware mit den ausgewählten Geschenken – etwa Pralinen oder Sekt – sowie der Grußkarte und schickte sie pünktlich zum Empfänger.

Nicht zuletzt durch die direkte Anbindung an die Webshops der Kunden gilt Mass Customization bei der colordruck Baiersbronn W. Mack GmbH & Co. KG als wichtiges Zukunftsthema. Das Unternehmen im Nordschwarzwald bedient als Verpackungsdienstleister mit maßgeschneiderten Full-Service-Lösungen aus einer Hand vor allem Auftraggeber der Branchen Süßware, Non-Food, Kosmetik sowie Pharma, um ihnen eine Konzentration auf die jeweiligen Kernkompetenzen zu ermöglichen. „Spannende neue Dienstleistungen sehen wir darin, dass wir Aufträge via Order-Injektion direkt in unseren Workflow übernehmen können“, meint Geschäftsführer Martin Bruttel.

Lohnverpackung – mehr als nur Verpacken

Serviceangebote von Dienstleisterns
• Unterstützung bei der Planung von Werbe- oder Saisonaktionen.
• Entwicklung und Design neuer Verpackungskonzepte oder Aktionsverpackungen.
• Einkauf des Materials und Herstellung im eigenen Betrieb oder bei Partnern.
• Verteilen der angelieferten Produkte in Verpackungen für den jeweiligen Zweck.
• Individuelle Zusammenstellung von Produkten zu Bundles per Hand oder Maschine.
• Hinzufügen von Informationen, etwa Beipackzetteln von Medikamenten.
• Verpacken der neu konfigurierten Produkte etwa durch Blistern oder Einschweißen.
• Codieren und Versiegeln der Verpackung gemäß gesetzlichen Vorgaben.
• Etikettieren und Bedrucken der Verpackung etwa mit Werbung oder Supply-Chain-Infos.
• Lagerung und Lieferung in Kooperation mit einem Logistikdienstleister, inklusive Anbindung an die IT des Auftraggebers.

Kundenorientiert denken, flexibel und rasch handeln

Das erfordert natürlich einen engen Austausch mit den Kunden sowie kontinuierliche Investitionen in IT und Technik. Aber die sind sowieso notwendig, um den generellen Wunsch der Auftraggeber nach Schnelligkeit, Flexibilität und dem umfassenden Outsourcing der Verpackungslogistik zu erfüllen. „Anpassung auf die Gegebenheiten des Kunden und gemeinsame Lösungen für den Kunden, das sind die entscheidenden Erfolgsfaktoren in der Lohnverpackung“, so Marion Haist, Projektmanagerin Packaging Service bei colordruck Baiersbronn. Die müssen dann unter anderem mit moderner Technik und konsequentem Qualitätsmanagement realisiert werden. „Zertifizierung, wirkungsvolle Kontrollen, Chargenrückverfolgung, temperierte Produktionsräume mit Dokumentation sowie gesicherte Lagerräume sind für uns eine Selbstverständlichkeit, sie gehören unbedingt zu einem kompetenten Komplettangebot der Lohnverpackung“, betont Haist.

Wie weitgehend Lohnverpacker ihre Kunden entlasten und deren Engagement in manchen Märkten überhaupt erst wirtschaftlich machen, zeigt die Pharmabranche. Dort verpacken Hersteller ihre zentral gefertigten Arzneimittel vielleicht noch in die Primärverpackung. Aber spätestens das Verteilen in Faltschachteln überlassen sie Dienstleistern. Die fügen nicht nur Beipackzettel hinzu, die in Landessprache die nach den lokalen Vorgaben notwendigen Informationen enthalten, sondern erledigen in einem Arbeitsgang auch die Ausstattung mit einem Erstöffnungsschutz und einem individuellen Erkennungsmerkmal, das Fälschungen verhindert. Zudem erleichtert die Verpackung mit aufgedruckten Merkmalen die Nachverfolgung und Optimierung der gesamten Wertschöpfungskette.

Start-ups und Konzerne profitieren gleichermaßen vom Co-Packaging

Wichtig ist, dass der Dienstleister die notwendigen Zulassungen hat, um umfassend als Lohnverpacker für Arzneimittel tätig zu werden, so wie die Bellwyck Faller Pharmaceutical Services GmbH in Großbeeren bei Berlin. Das auf die Pharma­branche spezialisierte Joint Venture der August Faller GmbH & Co. KG in Waldkirch und der kanadischen Bellwyck Packaging Inc. erleichtert seinen Kunden beispielsweise den Zugang zu kleineren Märkten, etwa Medikamente für seltene Krankheiten. „Manchmal erhalten wir von unseren Kunden ein spezifisches Medikament in Losgröße 100 oder 500 Stück, das jedoch lokale Vorgaben erfüllen muss“, so Michael Németh, Director Business Development. „Durch unsere Zulassungen nach §13 AMG dürfen wir zum Beispiel Packgrößen ändern, Beilagen austauschen oder neue Etiketten aufbringen.“ Das hilft dem Kunden, sein Produkt rechtssicher und zu überschaubaren Kosten in kleine Märkte zu bringen – im Vergleich zum Outsourcing wären Verpackungsaktivitäten im eigenen Betrieb unwirtschaftlich. Auch bei klinischen Studien, das heißt bei der Erprobung neuer Produkte, unterstützt Bellwyck Faller seine Kunden.

Gerade für Start-ups sind Verpackungsdienstleistungen zur Verbreitung ihrer Produkte erfolgsentscheidend. Bellwyck Faller hilft der iuvas medical GmbH in München bei der Markteinführung von sippa. Die innovative Trinkhilfe für Menschen mit Schluckstörung oder Beweglichkeitseinschränkungen besteht aus einem Becher mit beweglicher Membran, die für einen permanenten Flüssigkeitsstand am oberen Rand des Behälters sorgt, was das Trinken erleichtert. Bei der Suche nach einem Partner für Verpackung und Gebrauchsanleitung kam iuvas-
Geschäftsführer Jonas Zimmermann mit Michael Németh ins Gespräch: „Da habe ich erkannt, wie komplex das Thema wirklich ist und welche Bedeutung der Verpackung in der Supply Chain zukommt.“

Bellwyck Faller wurde nicht nur Lohnverpacker, sondern Partner zur Markteinführung. Némeths Team übernahm unter anderem die Montage von Sippa, also die Verbindung von Becher und Membran. Dazu gehörte das Erarbeiten von Maßstäben für Qualitätsmanagement sowie ein Plan, wie bei größeren Stückzahlen zuerst eine teilweise und später eine weitgehende Automatisierung möglich ist. „Die Kooperation mit Bellwyck Faller hat uns bei der Kommerzialisierung unserer Idee einen großen Schritt nach vorne gebracht“, sagt iuvas-Chef Zimmermann. Und der Bellwyck Faller-Experte Németh meint: „Sippa dient als Paradebeispiel dafür, dass Co-Packing viel mehr sein kann als das reine Verpacken von Produkten.“

 

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