Nachhaltigkeit auch bei der Farbauswahl

Lassen sich Farbtrends, Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit bei Verpackungen unter einen Hut bringen? Auf jeden Fall, meinen Experten für Druckfarben und geben Einblicke in aktuelle Entwicklungen.

Warum, so mag sich mancher Verpackungsexperte fragen, ändert sich der Geschmack der Konsumenten denn gar so kontinuierlich, was Farbe und Art der Verpackungsgestaltung betrifft? Ist doch gerade gut so, wie es ist? Es gibt einige Institutionen, die allgemeine Farbtrends oder sogar „Farben des Jahres“ verkünden. Zu den wichtigsten gehören das Pantone Color Institute, das AkzoNobel Global Aesthetic Center (Dulux) und 4 oder 5 richtungsweisende Stilbüros. Dazu kommen noch einige der großen Farbenhersteller, die jeweils ihre eigenen Trendfarben verkünden. Das Pantone Color Institute hat dabei bei Farben am meisten mitzureden. Die Druckindustrie, digitale Technologieunternehmen, die Modewelt, Inneneinrichter und alle anderen, die mit Farbe arbeiten, verwenden die Pantone-Farbfächer mit Tausenden von Farbtönen.

Verpackungsexperten haben dabei an zwei Fronten zu kämpfen. Zum einen gilt es die aktuellen Farbtrends aufzugreifen, zum anderen steigen die Anforderungen an die Umweltverträglichkeit von Farben – auch und gerade im Verpackungsdruck.

Farbvorlieben nach 2020

„Während wir uns in das zweite Jahr des Jahrzehnts aufmachen, machen sich die Farbtrends für 2021 daran, eine drastische Antwort auf viele Trends zu geben, die das vergangene Jahr bestimmt haben. 2019 dachten wir, das kommende Jahrzehnt würde durch futuristische Designs und leuchtende, kräftige Farben bestimmt. Dann kam 2020“, so Kathrin Düring, Managing Director Europe der Designplattform 99designs, die sich mit Design- und Farbtrends auch im Verpackungsbereich befasst.

Die Farbtrends 2021 werden sich daher ihrer Auffassung nach größtenteils beruhigend und wohltuend anfühlen. Düring: „Wir werden keinen Anstieg von Neonfarben oder verrückter Kontraste sehen. Stattdessen sind die kommenden Farbtrends weicher und wirken, als wären sie für Menschen ausgewählt und nicht für Computer.“

 Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit auch bei der Farbauswahl

Die zweite Herausforderung an Druckfarben im Verpackungsbereich sind deren Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, denn Druckfarben selbst sind nicht vollständig biologisch abbaubar. Sie enthalten Pigmente, die bestimmte Beständigkeiten der Druckfarbe sicherstellen müssen und die sich im Kompostiervorgang nicht zersetzen. Trotzdem lässt sich die EU-Norm EN 13432 für biologisch abbaubare Verpackungen auch mit Druckfarben umsetzen, wenn diese entsprechend rezeptiert sind. Die Norm besagt nämlich, dass das gesamte Produkt als vollständig biologisch abbaubar und kompostierbar gilt, wenn innerhalb von maximal sechs Monaten mindestens 90 Prozent des Materials zu Wasser, Kohlendioxid und Biomasse abgebaut sind, ist beispielsweise von der Fachgruppe Druckfarben im Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. zu lesen.

Und auch wenn dies nicht gegeben ist, können Druckfarben und Lacke dennoch zur Schaffung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beitragen. „Sie ermöglichen durch ihre technischen Funktionseigenschaften die Umsetzung aller drei Prinzipien der Circular Economy: Verpackungen verringern, wiederverwenden und recyceln“, erklärt dazu Alina Marm, Leiterin des Circular Economy Hubs bei Siegwerk, einem Hersteller von Farblösungen für den Verpackungsdruck in einem Interview. Sie ist verantwortlich dafür, den Übergang des Unternehmens in Richtung Circular Economy zu begleiten. „Etwa beim Wechsel von Plastik zu Papier, aber auch von Multi- zu Monoplastik, können Druckfarben und Lacke dabei unterstützen, die notwendige Funktionalität der Verpackung zu erhalten.“ Maßgeblich sind hierbei etwa spezielle Siegellacke für die Verarbeitung der Verpackung und Barrierelacke zum Schutz des Packguts.

Hohe Anforderungen im Lebensmittelbereich

Doch nicht nur die grundsätzliche Umweltverträglichkeit muss bei Druckfarben im Verpackungsbereich bereits gewährleistet sein, auch für den Schutz der Konsumenten gelten immer strengere Regeln. Eine der hier wesentlichen Fragen lautet beispielsweise: Können Druckfarben wirklich mit Lebensmitteln in Berührung kommen? Wer regelt diese Spezial-Druckfarben, und wie lauten diese Vorschriften? Mit diesen Fragen hat die Druckfarben- und Verpackungsindustrie schon seit vielen Jahren zu kämpfen. Das Ergebnis ist meist die Vermeidung der Verwendung der Innenseite von Lebensmittelverpackungen zum Drucken von Informationen und die Nichtnutzung großer Bereiche der Produktverpackung durch Markeninhaber und Drucker. Doch die kurze Antwort lautet: Es kann gemacht werden, aber es muss richtig gemacht werden, steht es beim Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie e.V. zu lesen. Ein Unternehmen, das sich genau mit diesem Problem auseinandergesetzt hat, ist beispielsweise Spring Coating Systems. Aufgrund der starken Kontrollen im Verpackungsbereich und der Bedenken über die Migration der Verpackungsfarben und Lacke in der Nahrungskette hat Spring das nicht gesundheitsschädliches Farben-System „DFC“ (Direct Food Contact) entwickelt. Die DFC-Serie (Direct Food Contact) ist ungiftig und unter entsprechenden Gegebenheiten eine kompostierbare Alternative zu traditionellen Farben.

„Realistisch betrachtet, stellt keine einzelne Drucktechnologie bzw. kein einzelnes Druckverfahren eine umweltfreundliche Universallösung dar. Die beste Variante kann nur von allen an dem jeweiligen Prozess oder dem jeweiligen Produkt Beteiligten unter Beachtung aller maßgeblichen Faktoren gefunden werden. Verschiedene Einrichtungen (z.B. der britische Carbon Trust) haben Studien durchgeführt, die zeigen, dass der CO2-Fußabdruck einer Druckfarbe sowohl im Verpackungs- als auch im Zeitungsdruck weniger als ein Prozent des Fußabdrucks des fertigen Produktes ausmacht”, erklärt der Verband der deutschen Lack- und Druckfarbenindustrie. Augenmaß bei der Auswahl der Druckfarben ist also nach wie vor möglich.

von Dunja Koelwel

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