Neue Vorschriften zwingen zum Handeln

Verpackungsgesetz und Kreislaufwirtschaftspaket beschäftigen die Unternehmen schon seit einiger Zeit. Je näher der Termin rückt, desto unruhiger wird die Wirtschaft.

Wie sehr Verpackungsgesetz und Kreislaufwirtschaftspaket die Unternehmen beschäftigen, merkt Tom Ohlendorf fast täglich im Gespräch mit Vertretern der Industrie. „Ich sehe zunehmende Bereitschaft zum Dialog über Themen wie Recycling und Ökodesign“, sagt der Project Manager Packaging beim WWF Deutschland in Hamburg. „Zwar waren in der Vergangenheit bereits viele Unternehmen aus Effizienz- und Kostengründen an neuen Verpackungskonzepten interessiert, jetzt aber sind wir an einem Punkt, wo das Thema sehr intensiv und entlang der Wertschöpfungskette diskutiert wird.“ Seine Organisation versteht sich nicht als Gegner der Industrie, sondern als kritischer Sparringspartner, mit dem man sich austauscht, um gemeinsam an konstruktiven Lösungen zu arbeiten. „Oberste Priorität hat für den WWF die Vermeidung von Verpackungen. Ist das nicht möglich, geht es um ihren sinnvollen Einsatz“, so Ohlendorf.

Recyclinggerechte Gestaltung der Verpackung als Ziel

Für besonders wichtig hält er eine ehrliche Diskussion darüber, was Recycling wirklich bedeutet. Aus seiner Sicht verbietet sich nicht nur die thermische Verwertung von Kunststoffverpackungen, zum Beispiel das Verbrennen im Heizkraftwerk. Schließlich sei der Rohstoff dann komplett verloren. „Ziel muss sein, die durch das neue Verpackungsgesetz vorgegebenen Recyclingquoten nicht nur quantitativ zu erfüllen, sondern auf die erhöhte Qualität der Recyclate hinzuarbeiten“, so der WWF-Mann.

„Oberste Priorität hat für den WWF die Vermeidung von Verpackungen. Ist das nicht möglich, geht es um ihren sinnvollen Einsatz.“ 
Tom Ohlendorf, Project Manager Packaging beim WWF Deutschland

Mitentscheidend hierfür ist das „Design for Recycling“, also die recyclinggerechte Gestaltung der Verpackung. Themen wie Material­kombinationen, Bedruckung, Sortenreinheit oder Demontierbarkeit sollten dabei von Beginn an miteinbezogen werden. „Hinzu kommt, dass es oftmals nicht die Grundmaterialien sind, die ein qualitativ hochwertiges Recycling erschweren, sondern die verwendeten Beschichtungen oder Klebstoffe“, so Ohlendorf. „Auch diese Punkte sollten bereits in der Entstehungsphase der Verpackung mitberücksichtigt werden, um die effektive und qualitativ hochwertige Kreislaufführung der Materialien zu gewährleisten.“

Fokus auf nachwachsende Rohstoffe

Ein weiterer Aspekt ist der Einsatz nachwachsender Rohstoffe: „Egal, ob konventioneller oder Biokunststoff, wir müssen das jeweilige Material ganzheitlich von der Herkunft über den Einsatz bis zur Nachgebrauchsphase einzeln betrachten – und zwar mit Blick darauf, wie die Gesamtbilanz ausfällt.“ Für sinnvoll hält er, dass sich die Industrie auf den Einsatz bestimmter Standardpolymere in möglichst reiner Form statt wild gemixter Verbundmaterialien einigt, um den dualen Systemen die Sortierung, Trennung und stoffliche Verwertung zu erleichtern.

Bis es so weit ist, müssen Initiativen einzelner Unternehmen oder Kooperationen beispielhaft zeigen, was bei Kunststoff in Sachen Kreislaufwirtschaft möglich ist. Die Werner & Mertz GmbH in Mainz etwa, die unter anderem Reinigungsmittel der Marke Frosch vertreibt, nutzt seit 2010 PET-Verpackungen, die zu 80 Prozent aus dem Recyclat von Pfandflaschen bestehen. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern, wie dem Sortiertechnikspezialisten Unisensor und dem Verpackungshersteller Alpla, wurde nun entlang der Wertschöpfungskette ein laserbasiertes System entwickelt, das PET auch im allgemeinen Kunststoffabfall erkennt und einem hochwertigen Recycling zuführt. Seitdem bestehen PET-Verpackungen von Frosch zu bis zu 40 Prozent aus Recyclat aus den Sekundärrohstoffen des Gelben Sacks. Das schont nicht nur Ressourcen, sondern senkt auch den Energieaufwand in der Produktion um bis zu zwei Drittel. „Diese Form des Upcyclings verstehen wir als gelebte Öko-Effektivität“, sagte Reinhard Schneider, Geschäftsführender Gesellschafter von Werner & Mertz, anlässlich der Verleihung des Efficient-Consumer-Response-Awards für diese Innovation. „Die Herausforderung ist, eine wirtschaftliche Prozesskette aufzubauen.“

„Oft scheitern gute Ideen immer noch daran, dass der Einkäufer nur kritisch nach Zusatzkosten fragt und das enorme Potenzial der neuen, vielleicht tatsächlich etwas teureren Verpackung nicht erkennt.“ 
Christian Clemm, Workshop-Leiter in der Abteilung Environmental and Reliability Engineering des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration

Prozessoptimierung als zentrale Herausforderung

Tipps dazu gibt es unter anderem bei Verbänden, Hochschulen oder Forschungsinstituten. Ihre Anregungen können helfen, Verpackungen aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und so neue Lösungen zu finden. Dazu dient etwa die „Lernfabrik Ökodesign“ der Abteilung Environmental and Reliability Engineering des Fraunhofer-Instituts für Zuverlässigkeit und Mikrointegration in Berlin. Workshop-Leiter Christian Clemm empfiehlt den Unternehmern, nicht nur Verpackungsexperten mit diesem Thema zu betrauen, sondern auch Entscheider anderer Abteilungen. Passiert das nicht, gebe es beim Umsetzen neuer Konzept häufig Reibungsverluste. „Oft scheitern gute Ideen immer noch daran, dass der Einkäufer nur kritisch nach Zusatzkosten fragt und das enorme Potenzial der neuen, vielleicht tatsächlich etwas teureren Verpackung nicht erkennt.“ Clemm rät, durch offene Debatten im Unternehmen alte Denkbarrieren zu beseitigen, beispielsweise indem eine breite ökonomische Betrachtungsweise gepflegt wird: „Man darf nicht nur Kreislauf- und Wegwerfkosten gegenüberstellen, sondern muss das Denken in Produktlebenszyklen und Nachhaltigkeit generell in einer größeren Dimension sehen. Es kann sowohl Teil eines erweiterten Geschäftsmodells als auch ein prägendes Element für das Firmenimage sein.“

Hier, ist Clemm sicher, wird das Verpackungsgesetz seine Kraft mittelfristig entfalten. Schon jetzt kommunizieren viele Firmen beim Thema Verpackung geschickt ihr verantwortungsbewusstes Handeln. Das bemerkte der Fraunhofer-Experte unlängst auch bei einem Notebook-Vergleich. Einige Hersteller schickten die Geräte mit einem aus Transportgründen kaum erklärlichen Übermaß an Umverpackung, inklusive Styropor, bunter Folie und aufwendigen Bedrucken. Und dann kam ein Karton aus recyceltem Monomaterial, schwarz-weiß und beschriftet mit aus Soja hergestellter Tinte. An einer Stelle erklärte der Absender kurz die Auswahl der leicht trenn- und recycelbaren Materialien sowie der Öko-Tinte und konnte damit nachhaltig punkten.

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