Das neue Muss: Design for Recycling!

Ab 2019 fordert der Gesetzgeber höhere Recyclingquoten, um den Einsatz nachhaltiger Verpackungen sowie den Einstieg in die Kreislaufwirtschaft zu forcieren. Gefragt sind neue Konzepte, mit denen Verpackungen ihre Hauptfunktion erfüllen und sich zugleich besser recyceln lassen. Klappt das nicht, drohen weitere Eingriffe durch den Staat.

Kaufland hat eine umfassende Plastikstrategie: Mehr nachhaltige Verpackungen, weniger Plastik, besser recycelbare Materialien. Schon heute reduziert das Einzelhandelsunternehmen aus Neckarsulm Plastikverpackungen, etwa bei K-Bio-Bananen. Sie werden anstelle von Folienbeuteln mit einer Papp-Banderole versehen. „Allein damit sparen wir pro Jahr rund 32 Tonnen Verpackung“, erzählt Einkaufs-Vorstand Frank Hirnschal stolz.

Konkurrent Tegut setzt dagegen auf Obst- und Gemüsebeutel aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr. Grund, so Geschäftsführer Thomas Gutberlet, sei die sehr gute Wiederverwertbarkeit im bestehenden Recyclingsystem. Diese Maßnahme ist jedoch nur die letzte von vielen Aktivitäten, die das Unternehmen aus Fulda in den letzten Jahren ergriffen hat. Denn: „Schon seit 2007 gibt es bei uns keine Plastiktüten zu kaufen“, sagt Gutberlet.

Der Handelsriese Rewe ist in Sachen Plastikvermeidung ebenfalls aktiv. Er packt Bio-Äpfel auf ein neuartiges Material mit guter Ökobilanz, das zu 40 Prozent aus sonnengetrocknetem Gras sowie zu 60 Prozent aus Holz besteht. „Mit Papier aus Gras betreten wir völliges Neuland“, meint Dirk Heim, Bereichsleiter Nachhaltigkeit. Als Teil der Konzernstrategie, die Plastikverpackungen weiter zu reduzieren, erhalten zudem Bio-Avocados oder Bio-Süßkartoffeln beim „Natural Branding“ das Logo und weitere Informationen per Laserbeschriftung.

Gesetze sorgen für Bewegung

Auch die Hersteller handeln: Nestlé will von 2015 bis 2020 mindestens 140.000 Tonnen Verpackungsmaterial einsparen. Unilever hat sich verpflichtet, ab 2025 nur noch Kunststoffe einzusetzen, die vollständig wiederverwendbar, recycelbar oder kompostierbar sind. Henkel meldet die Einsparung von 1.400 Tonnen Kunststoff pro Jahr durch Öko-Verpackungsdesign. Und die Drogeriemarkt-Kette dm hat die Statik von Flaschen überarbeitet, um die Wandstärken und so den Materialeinsatz zu reduzieren. Zudem verfügen viele Flaschen oder PET-Verpackungen über einen hohen Anteil an Recyclingmaterial.

Geschuldet sind die Aktivitäten weniger der Plastiktüte, die seit Monaten in aller Munde ist, weil Kunststoffabfall im Meer oder Mikro­plastikteilchen im Wasser für Schlagzeilen sorgen. Viele Händler und Hersteller reagieren eher auf das Kreislaufwirtschaftspaket der EU und auf das neue Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft tritt. Beide Vorgaben sollen die effiziente Nutzung von Ressourcen fördern. Hinzu kommt das steigende Umweltbewusstsein der Kunden, die nicht verstehen, warum sie Öko-Bananen in Folie verpackt kaufen sollen.

Zwar sind weniger als 5 Prozent des hierzulande anfallenden Mülls Verpackungen, aber dieser Abfall ist besonders sichtbar. Weniger sichtbar ist für den Bürger, dass 2015 laut Umweltbundesamt immerhin rund 70 Prozent der Verpackungsabfälle recycelt und 97 Prozent verwertet wurden.

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