Kleidung aus PET-Flaschen

Sie führen noch ein Nischen-Dasein, aber es gibt immer mehr Modeunternehmen, die Kleidung aus gebrauchten PET-Flaschen herstellen.

Mode, die nicht nur ein optischer Hingucker ist, sondern auch ökologisch ein Statement setzt: Verbraucher mögen den Kauf fürs Wohlbefinden – und für das Gewissen. Immer mehr Modehersteller werben mit ökologisch nachhaltigen Textilien, auch Modeketten wie H&M oder C&A. Der Sportartikelhersteller adidas stellt Schuhe aus recyceltem Plastikabfall her, die Modemarke Fossil bietet Taschen, die aus PET-Abfall hergestellt wurden. Es gibt aber auch Händler und Hersteller, die ausschließlich schicke Öko-Mode verkaufen und die mit recycelten Kleidungsstücken werben.

Avocadostore, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Online-Marktplatz für Eco Fashion & Green Lifestyle, vertreibt ausschließlich Produkte, die mindestens eines von zehn Nachhaltigkeitskriterien wie zum Beispiel „recycelbar/recycelt“ erfüllen, erklärt Katja Meincke von Avocadostore. Das Kriterium würdige Produkte, bei deren Herstellung bereits bedacht wurde, wie das entsprechende Produkt am Ende des Produktzyklus weiterverwendet werden kann. Recycelte Plastikflaschen werden häufig zu Polyestergarnen oder anderen Formen von Kunststoffen weiterverwertet. Aber auch Lkw-Planen, Autoreifen, Produktverpackungen, Schläuche, Gurte, Bleche und andere Rohstoffe werden durch Recycling in ganz neue Produkte oder Produktbestandteile transformiert. Anwendungsbereiche können Schuhsohlen oder Taschen  sein. Recycelbar sind Produkte, welche selbst leicht zu recyceln sind, weil sie beispielsweise vollkommen kompostierbar sind. Je einfacher und offensichtlicher sich die Bestandteile trennen lassen, desto besser ist dies für die weitere Nutzung.

Von der Flasche zur Fleece-Jacke

Plastikflaschen bestehen aus dem Kunststoff Poly-Ethylen-Terephthalat (PET). Der Grundstoff Polyester wird aus Öl gewonnen, einem Rohstoff, der immer knapper und daher teurer wird. Um Kleidung anzufertigen, werden die Flaschen gewaschen, sortiert und zu sogenannten PET-Flakes verarbeitet – diese Form ist für den Transport günstiger. Der so entstandene Sekundärrohstoff wird zermahlen und erhitzt. Dann wird der geschmolzene Kunststoff im Spritzdüsenverfahren in Fäden gezogen, die dann zu Fasern verwoben werden. Das gewonnene Material wird zum Beispiel zu synthetischem Webpelz verarbeitet, besser bekannt als „Fleece“. Aus den Plastikflocken können aber auch andere Textilien hergestellt werden, die einen hohen Polyamid- und geringen Baumwollanteil haben. Polyesterfasern eignen sich besonders für Sport- oder Funktionsbekleidung, weil sie Feuchtigkeit gut vom Körper wegtransportieren können. Marktführer beim Textil-Recycling ist China. Händler kaufen Supermärkten in Deutschland die gebrauchten PET-Flaschen ab und verschiffen sie als PET-Flakes nach China.

Polyesterfaser aus recyceltem Kunststoff

Einer der Player im Öko-Modemarkt ist das Unternehmen Ecoalf aus Spanien. Um an die  recycelten Rohstoffe zu gelangen, arbeitet das Mode-Unternehmen mit einem internationalen Netzwerk zusammen und befreit Ozeane von Plastikmüll. 250 Boote pro Tag bringen nach eigenen Angaben insgesamt 1,3 Tonnen Meeresabfall für Ecoalf an Land. Auch die Fischer entlang der Küste Spaniens beteiligen sich, indem sie ihre alten Netze bei den Sammelstellen von Ecoalf abgeben, anstatt diese ins Meer zu werfen, erklärt das Unternehmen. Etliche Fabrikationsschritte folgen, bis aus den alten Fischernetzen und PET Flaschen neues Gewebe entsteht. Ecoalf hat laut Unternehmensangaben bisher 70 Millionen Plastik-Flaschen recycelt. „Die Plastikflaschen werden gesammelt und in mehreren Reinigungs- und Zermalmungsverfahren zu Kunststoffflocken verarbeitet, die über einen mechanischen Prozess in rohe Polyesterfasern versponnen werden, welche dann manipuliert werden, um die Endqualität zu erhalten. Dieser wiederaufbereitete Faden wird zum Beispiel zur Erstellung von Stoffen, Leinen, Etiketten oder Riemen verwendet.“

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Ecoalf benutze für die Produktion der nachhaltigen Daunenjacken innovative Materialien wie Primaloft. Diese sorgt für maximale Wärme bei minimalem Gewicht und kleinstem Packmaß. Der Anteil an zertifizierten Daunen wurde durch den Zusatz von recycelten PET auf ein Minimum reduziert. Trotzdem sollte Bekleidung aus Kunstfasern nach einem langen Leben korrekt entsorgt werden.  Aus 80 PET-Flaschen entsteht eine leichte Männer-Daunenjacke, so ein Beispiel. Ecoalf entstand im Jahr 2009. „Ich war frustriert über die übermäßige Nutzung der weltweiten natürlichen Ressourcen und die Menge an Abfällen, die von den Industrieländern produziert wurden. Ziel war es, die erste Modeserie herzustellen, die mit recycelten Materialien die gleiche Qualität, modernes Design und technischen Fortschritt erreicht, wie die besten nicht recycelten Produkte. Ich wollte zeigen, dass es nicht notwendig ist, die natürlichen Ressourcen des Planeten weiter zu verschwenden“, so Unternehmensgründer Javier Goveneche.

Der Bekleidungs-Hersteller Dawn aus Köln verkauft ebenfalls nachhaltige Mode. Die eingesetzten Polyesterfasern werden von der Marke Repreve der Firma Unifi hergestellt. Sie bestehen ausschließlich aus benutzten, recycelten PET-Flaschen. Die Flaschen werden gereinigt, zerschreddert und in feine “Chips“ verarbeitet, erklärt Ines Rust von Dawn. Diese werden geschmolzen und zu einem Faden gesponnen. Diese werden in Garne und später in Stoffe weiterverarbeitet. „Wir ummanteln die Polyesterfaser mit Bio-Baumwolle und Spandex. Nach dem Abweben erhalten wir so ein perfektes Jeans-Stretchmaterial“, heißt es.

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