„Wir müssen attraktive Märkte für Rezyklate schaffen“

Reinhard Schneider erläutert, wie es gelingen kann, Materialkreisläufe geschlossen zu halten und dazu hochwertige Sekundärrohstoffe aus Kunststoffverpackungen zu verwenden. Dabei verweist er auf die Entwicklungsleistungen der Recyclat-Initiative seines Unternehmens Werner & Mertz, zu dem die Marken „Frosch“ und „Erdal“ zählen.

„Dass Verpackungen eine negative Konnotation haben, liegt daran, dass zu lange das Legale, nicht das Legitime getan wurde“, so die feste Überzeugung von Reinhard Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Werner & Mertz. Dies müsse sich ändern, mahnte der Umweltpreisträger unter anderem beim Kongress Packaging 360o in Frankfurtk und fordert die Branche auf, seinen Weg mitzugehen.

Daher bleibe sein Unternehmen bewusst Pionier und lasse nur wenige Innovationen auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit patentieren. Er wolle, dass auch die Großkonzerne seinen Weg mitgehen, sagte er in Richtung von Procter & Gamble sowie Unilever. Technisch sei es nämlich möglich, nachhaltigere Verpackungen herzustellen. Sein „kleines“ Familienunternehmen zeige auf, dass Technologien zum energieschonenden Recycling bereits existieren und über Open Innovation jedem zur Verfügung gestellt werden. Dass die großen Industrieunternehmen seiner Meinung nach nicht richtig mitziehen, hänge damit zusammen, dass neue Prozesse meistens mit Investitionen zusammenhängen, sprich: ihnen zu kostspielig seien.

Plastikmüll mit geschlossenen Kreisläufen eindämmen

Für den Mainzer Unternehmer ist klar: Nur ein geschlossener Kreislauf könne der Lösungsweg sein, um den Plastikmüll weltweit einzudämmen. Schneider kritisierte, dass dies in Deutschland noch nicht den nötigen Stellenwert habe. Zudem seien zu viele Missverständnisse im Umlauf. Bioplastik sei etwa beim Verbraucher zwar aufgrund der „zauberhaften Formel Bio“ hoch angesehen, aber nicht besser biologisch abbaubar als anderes Plastik. Eine Ausweitung des Dosenpfands auf Verpackungen im Non-Food-Bereich werden die Verbraucher nicht mitmachen, ist sich Schneider sicher. Und der Gelbe Sack habe noch ein schlechtes Image. „Komplett recyclingfähige Verpackungen werden derzeit noch verbrannt“, bedauerte Schneider. „Wir arbeiten daran, das Image zu ändern.“ Reinhard Schneider hat 2012 zusammen mit Kooperationspartnern wie Der Grüne Punkt entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Recyclat-Initiative ins Leben gerufen, die sich für die hochwertige Aufbereitung von Altplastik aus dem Gelben Sack einsetzt.

Anhand von Produkten der Marke Frosch zeigte er, dass die Entwicklung von Flaschen und Verschlüssen aus 100 Prozent recyceltem PET, HDPE sowie PP möglich ist. Die Pionierleistungen reichen von der Entwicklung der Frosch-Flaschen aus 100 Prozent recyceltem PET über die weltweit ersten rHDPE-Verpackungen und rPP-Verschlüsse – beides aus 100 Prozent Post-Consumer-Plastik aus dem Gelben Sack.

Innovative Kosmetikverpackung sorgt für Aufsehen

Werner & Mertz revolutionierte im letzten Jahr die Kosmetikbranche: Die Duschgelflaschen von Frosch Senses wurden mit 100 Prozent recyceltem HDPE gefertigt – die erste Verpackung mit 100 Prozent HDPE Post Consumer Recyclat (PCR) aus dem Gelben Sack, die für den Kosmetikbereich Verwendung findet. Gelungen ist dies durch einen speziellen Aufbereitungsprozess für HDPE, den Werner & Mertz in einem Gemeinschaftsprojekt mit Der Grüne Punkt und der EREMA Group entwickelt hat. Dass hier ausschließlich Altplastik eingesetzt werde, störe die jungen Käufer nicht. Im Gegenteil: Sie kaufen es laut Schneider gerade deswegen.

Immer wieder betonte der Umweltpreisträger, dass sein Unternehmen ein kleines in der Branche sei, dennoch habe es den Weltrekord beim Rezyklateinsatz in der Konsumgüterindustrie aufgestellt. „PET lässt sich unendlich oft in den Kreislauf bringen.“ Doch die Akzeptanz von Rezyklat sei schlecht. „Altplastik klingt nicht gut“, „ein gruseliges Marketingwort“, man denke, das „müffelt“, wisse er. Doch wissenschaftliche Tests hätten ergeben, dass es keine Abwanderung von „alten“ Stoffen in das Füllgut gebe. Daher fordert  Schneider die EU-Behörden dazu auf, Rezyklate nicht nach ihrer Herkunft einzuordnen. Es sollten neue Kriterien entwickelt werden, um Recyclingverfahren für Foodprodukte zu bewerten. „Den Großen ist das Verfahren noch zu teuer, sie bauen lieber auf Limited Editions mit Ocean Plastic“, so Schneiders Kritik. Er hoffe dennoch, dass sich weitere Unternehmen – auch in der Lebensmittelbranche – seinem Weg anschließen.

Mehr Markt für Rezyklate statt populistische Verbote

„Wir müssen attraktive Märkte für Rezyklate schaffen, wenn wir die Kreisläufe nachhaltig schließen wollen. Wenn entsprechende Märkte zur Verfügung stehen, werden mehr und mehr Anbieter auf der ganzen Welt einen legitimen wirtschaftlichen Anreiz sehen, endlich das ökologisch Richtige zu tun.“ Die „Verbotskeule“ der Politik sei nicht der richtige Weg, so der Unternehmer. Das Plastiktütenverbot sei eher populistisch als sinnvoll. Dafür erhielt er starken Beifall von den Kongressteilnehmern.


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