Wettbewerb um Nachhaltigkeit im Tiefkühlregal

Der Trend zu mehr Papier statt Kunststoff ist auch in der Tiefkühlbranche angekommen. Die großen Hersteller liefern sich einen Wettbewerb um das nachhaltigste Verpackungskonzept. Dabei stellt Tiefkühlkost besondere Anforderungen an die Verpackung. Frosta setzt seit Kurzem auf Papierbeutel und Iglo wirbt mit der ersten „echten“ Kartonschale.

Frosta will künftig komplett auf den Einsatz von Kunststoff in seinen Verpackungen verzichten. Seit Januar ersetzt das Bremerhavener Familienunternehmen die Schlauchbeutel für Fertiggerichte und Gemüse sukzessive durch Papierbeutel, bis Jahresende soll die Umstellung abgeschlossen sein. Rund 40 Millionen Plastikbeutel werden nach Unternehmensangaben so pro Jahr eingespart.

Im Trockensortiment stellen Hersteller seit einiger Zeit verstärkt auf Papierverpackungen um, bei Tiefkühlkost ist dies jedoch eine besondere technische Herausforderung: Die Produkthülle muss bei sehr unterschiedlichen Temperaturen gleichbleibend den Inhalt schützen und darf weder aufweichen noch reißen, wenn der Auftauvorgang einsetzt.

Barriere gegen Fett und Feuchtigkeit

Drei Jahre lang hat Frosta nach eigenen Angaben an dem neuen Kraftpapier geforscht, das durch rein physikalische Bearbeitung eine wirksame Barriere gegen Fett und Feuchtigkeit bildet. Es besteht aus zwei Schichten von jeweils 100 Prozent Papier, die, ebenso wie die Packungsnähte, mit pflanzlichem Kleber verklebt sind. Frosta hat das Verfahren zum Patent angemeldet. Als Investitionssumme nannte Frosta-Chef Felix Ahlers gegenüber der „Welt“ rund 2 Millionen Euro.

„Im Gegensatz zu allen anderen Pappverpackungen in der Tiefkühltruhe“ komme der neue Papierbeutel ganz ohne Plastikbeschichtungen oder Folien aus, betont Frosta. Bereits seit 2016 verwendet der Hersteller bei seinen Tiefkühlbeuteln eine sortenrein recycelbare Folie aus dem Monomaterial PP. Die Umstellung auf Papier erfolgt nun, weil nach wie vor wenig Plastik wiederverwertet werde.

20 Cent mehr pro Packung

Die neue Beutelverpackung besteht aus ungebleichtem und ungestrichenem Papier, die ehemals weißen Beutel sind nun braun. Die laut Frosta bewusst sparsame Bedruckung erfolgt ausschließlich mit wasserbasierten Farben, sodass die Beutel im Altpapier entsorgt werden können. „Auf dem ungebleichten Papier sehen unsere Produktfotos nicht mehr so brillant aus wie vorher, aber das nehmen wir der Umwelt zuliebe gerne in Kauf“, sagt Vorstandsmitglied Hinnerk Ehlers.

Aber nicht nur an das neue Erscheinungsbild werden sich die Verbraucher gewöhnen müssen. Mit der Umstellung sind auch Preiserhöhungen von 5 Prozent oder 20 Cent pro Packung verbunden. Auch bei der Handhabung unterscheidet sich der Papierbeutel ein wenig von seinem Kunststoffvorgänger: Die neuen Beutel sollten wegen Rissgefahr nicht zu lange im Eiswürfelfach gelagert werden, erklärt Frosta im Firmenblog. Und: „Wenn man die Produkte im Kühlschrank auftaut, sollte man es ohne Packung auf einem Teller machen.“

Iglo will bis 2022 alle Verpackungen auf recycelbares Papier umstellen

Fast zeitgleich stellten Frosta und Wettbewerber Iglo im Januar außerdem die Verpackungen ihrer Schlemmerfilets um. Iglo verabschiedete sich von der Aluminiumschale und führte Kartonschalen ein. Bei einem Produkt, das mit Schale gebacken wird, sind die Anforderungen an das Material besonders hoch: Das Papier darf nicht nur nicht aufweichen, sondern auch im Backofen nicht anbrennen. Die neue Schale besteht zu mehr als 95 Prozent aus Karton und hat ähnlich wie Backpapier eine hauchdünne Silikonbeschichtung. Die Garzeit ist etwa 10 Minuten länger als in der Aluschale, dafür ist das Produkt künftig auch mikrowellengeeignet.

Iglo spart damit nach eigenen Angaben pro Jahr künftig 250 Tonnen Aluminium ein, das zwar wiederverwertbar, aber umweltschädlich in der Herstellung ist, und verzichtet im Zuge der Umstellung bei Schlemmerfilets künftig auf eine extra Schutzfolie aus Plastik. Das Unternehmen hat angekündigt, bis zum Jahr 2022 alle Verpackungen auf recycelbares Papier umzustellen.

Frosta verzichtet bereits seit 2013 auf Aluminium. Gleichwohl bietet Iglo nun „die ersten Schlemmerfilets in echter Pappschale“ und spielt damit auf die Konkurrenz aus Bremerhaven an: Denn „im Unterschied zu anderen papierbasierten Backofenschalen“ verzichte Iglo auf eine PET-Beschichtung und könne deshalb komplett recycelt werden.

Wer hat die „echte“ Kartonschale erfunden?

In der Tat benötigte die Backschale der Frosta-Schlemmerfilets bislang eine erhöhte PET-Beschichtung und hatte daher einen Papieranteil von weniger als 95 Prozent. Deshalb musste sie als Verbundmaterial im gelben Sack entsorgt werden.

Aber auch Frosta hat die Verpackung des Schnelldrehers zu Jahresbeginn geändert und verwendet nach eigenen Angaben nun eine „echte Pappschale“. Die PET-Beschichtung wurde reduziert, sodass die Schale nun zu über 95 Prozent aus ungebleichtem Papier besteht und im Altpapier entsorgt werden kann. Beim Wettrennen um die erste „echte“ Pappschale auf dem Markt kamen die beiden Konkurrenten also zeitgleich ins Ziel. Ein Gewinn aber in jedem Fall für die Umwelt.

 

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