Das Tuch als Verpackungsmittel

Mit japanischer Falttechnik lassen sich aus Tüchern (Furoshiki) wiederverwertbare Verpackungen falten. Die Tradition wird zum Trend. Die japanische Regierung ruft die Japaner dazu auf, Furoshiki statt Plastiktüten zu verwenden. 

In Deutschland gibt es bereits Furoshiki-Workshops, die bislang aber eher Fans von Self-Made-Produkten besuchen. Dabei könnte das Tuch als umweltfreundliche Verpackung auch hierzulande noch stärker zum Einsatz kommen.

Furoshiki ist ein quadratisches Tuch aus hochwertigem Stoff. In Japan wurden Furoshikis traditionellerweise als Verpackungstücher oder Tragebeutel verwendet und mit verschiedenen Knotentechniken kunstvoll verschlossen. Das Schwert, das symbolisch bei der Inthronisierung des japanischen Kaisers Naruhito im Mai 2019 zum Einsatz kam, war zum Beispiel in einer Furoshiki verpackt.

Die Verwendung der Furoshiki hat sich auch in Japan längst den Änderungen des Lebensstils angepasst. Allein durch einfache Knotentechnik kann dasselbe Tuch innerhalb von Minuten – wenn man die Knotentechnik beherrscht – einem neuen Zweck dienen. Sowohl als Tasche wie auch als Geschenkverpackung für die unterschiedlichsten Waren kann das japanische Tuch vielseitig verwendet werden. Es kommt dabei immer auf den richtigen Knoten an, damit man den verpackten Gegenstand transportieren kann. Traditionell werden Furoshiki aus Chirimen-Stoff gefertigt. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der oft auch als Seidenkrepp bezeichnet wird. Dieser Seidenstoff wird in einer speziellen Webtechnik gefertigt, die im 16. Jahrhundert entstand. Die wellenförmige Struktur der Oberfläche ist typisch für Chirimen und entsteht durch das Verdrehen des Schussfadens beim Webvorgang. Allerdings sind heute auch andere Materialien gängig, um Furoshiki herzustellen. Sogar recyceltes Plastik wurde schon zu Furoshiki verarbeitet. Typisch sind großflächige Muster mit floralen oder traditionellen Motiven. Manche Japaner verwenden spezielle Falttechniken, um ihr Furoshiki als Rucksack zu nutzen, auch gibt es Schuhe aus gefaltetem Stoff. Vom einfachen Falten für den grundlegenden Transport über das Verpacken schmaler Gegenstände bis hin zum Verpacken von einer oder gar von zwei Flaschen sind unzählige Varianten denkbar.

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In Japan wird die Tradition wieder neu entdeckt – auch aus Umweltgründen. Die japanische Regierung will Einwegverpackungen im Land reduzieren und wirbt in Kampagnen für den traditionellen Furoshiki. So gibt es zum Beispiel vom Umweltministerium eine Faltanleitung. Politiker forderten die Bevölkerung auf, das Tuch statt Plastiktragetaschen zu verwenden.

Furoshiki-Verpackungen in der Region Freiburg

Auch in Deutschland gibt es Furoshiki-Verpackungen, allerdings sind sie noch rar und eher unter Japan-Freunden bekannt. Der Caritasverband für den Landkreis Emmendingen bei Freiburg hat ein Furoshiki-Projekt ins Leben gerufen. Edith Kulzer-Schwab, die das Frauenprojekt beim Verband verantwortet, begeisterte mehrere Nähtreffs in der Region von der Tücher-Idee. Seither haben Hobbynäher in verschiedenen offenen und interkulturellen Nähtreffs in Denzlingen und Emmendingen mehr als 160 Tücher geschneidert (Stand Ende Juni).

In mehreren Buchhandlungen im Landkreis Emmendingen kann man die Stoffe gegen eine Spende von 3 bis 5 Euro erhalten. Der Erlös soll dem Projekt „Frauen in Not“ der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands zugutekommen. Zudem nutzen dort Händler die Tücher zum Verpacken von Büchern oder CDs.

Werner Bürk und Annabel Marsovsky zeigen in tücher verpackte BücherBuchhändler Werner Bürk und Annabel Marsovsky vom Caritasverband Emmendingen zeigen in Tüchern verpackte Bücher. Im Bücherwurm in Kenzingen und Herbolzheim, bei Losch in Denzlingen und im Schierelädele werden die Furoshikis ab sofort gegen eine Spende von drei bis fünf Euro abgegeben. Natürlich darf sich der Kunde dabei selbst das Tuch aussuchen, das am besten gefällt.
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