Save Food – Save the World

Verpackung ist nicht gleich Müll! Ganz im Gegenteil! Sie ist ein unverzichtbarer Baustein im Kampf gegen die Verschwendung von Nahrungsmitteln. Dies beweist die Save-Food-Initiative, in der sich mehr als 1.000 Unternehmen aus der Lebensmittelindustrie und dem Einzelhandel engagieren – und zwar mit spannenden Projekten im In- und Ausland.

Zwei Bilder, die sich eingebrannt haben: Hier der verendete Wal, der am Strand angeschwemmt wird und viele Tonnen Plastikabfall im Magen hat. Dort die abgemagerten Kinder in Entwicklungsländern, die mit leeren Mägen apathisch dasitzen und hungern. So gegensätzlich diese Bilder auch sind, sie haben eines gemeinsam: Durch den verantwortungsvollen Umgang mit Verpackungen könnten sie vermieden werden. Im Fall der Wale liegen die Gegenmaßnahmen auf der Hand: Möglichst viele Plastikabfälle vermeiden und die Recycling-Quoten erhöhen. Doch was kann Verpackung leisten, um den Hunger zu stoppen? Ganz einfach: Durch ihren gezielten Einsatz können Nahrungsmittelverluste reduziert und die Ernährung gesichert werden.

Und der potenzielle Effekt ist enorm. Neueste Schätzungen der Welternährungsorganisation (FAO) zufolge gehen weltweit jährlich rund ein Drittel aller Nahrungsmittel verloren. In Zahlen bedeutet das: rund 1,3 Milliarden Tonnen, die auf einer Fläche größer als China angebaut wurden, und das bei rund 840 Millionen Menschen, die Hunger leiden. Die Gründe sind vielfältig: In Industrienationen genügen Nahrungsmittel oft nicht den Ansprüchen des Handels oder werden von den Konsumenten weggeworfen, weil sie zu viel eingekauft oder das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch interpretiert haben. In den weniger entwickelten Ländern dagegen verderben jeden Tag bis zu 50 Prozent der Nahrungsmittel aufgrund fehlender Infrastruktur und Logistik, noch bevor sie verkauft werden können. Dabei würde schon ein Viertel der aktuell verlorenen oder verschwendeten Nahrungsmittel ausreichen, um die hungernde Weltbevölkerung zu ernähren.

Weniger Verluste statt mehr Produktion

Wie dieses Ziel erreicht werden kann, zeigt ein Beispiel aus Kenia. Dort schaffen es 300.000 von 550.000 Tonnen angebauter Mangos gar nicht bis auf den Markt. „Nur 2 Prozent gehen in den Export, und 5 Prozent werden verarbeitet. Der Rest wird frisch gepflückt, verdirbt auf dem Baum oder geht mangels Kühlkette bei Lagerung oder Transport kaputt“, erklärt Sonja Mattfeld. Sie ist Partnerin bei der Africon GmbH in Düsseldorf, ein Unternehmen, das sich auf die Beratung von Marktstrategien in Afrika spezialisiert hat und Mitglied der Save-Food-Initiative ist.

Dieser Missstand war für die Save-Food-Initiative Grund genug, um ein kleines Unternehmen vor Ort zu unterstützen das lokale Produkte mit einfachen Methoden trocknet und damit haltbar macht. Durch den gezielten Einsatz von effizienten Lagermöglichkeiten sowie Verarbeitungs- und Verpackungstechnologien hat das „Mango-Projekt“ dazu beigetragen, die Lebensmittelverschwendung in Kenia innerhalb von zwei Jahren um 10 Prozent zu senken. Ein Projekt, das typisch ist für die 2011 gegründete Initiative. Die Kooperation aus Messe Düsseldorf, Welternährungsorganisation (FAO), und Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat sich zum Ziel gesetzt, Lösungen entlang der Wertschöpfungskette zu erarbeiten, um die Nahrungsmittelverluste und -verschwendungen zu bekämpfen. Die Initiative wird von über 1.000 Mitgliedern aus Industrie, Politik und Zivilgesellschaft unterstützt, darunter namhafte Konzerne und Branchenverbände sowie Forschungseinrichtungen und Nichtregierungsorganisationen aus dem Lebensmittelbereich. Sie haben sich vernetzt, um interdisziplinäre Modelle mit einem ganzheitlichen Ansatz zu erarbeiten.

In diesem Zusammenhang wurde auch die Rolle der Verpackung beleuchtet. Ergebnis: Die vielfach propagierte Parole „Verpackung ist gleich Müll“ stimmt nicht. Schließlich erfüllen intelligente Verpackungssysteme entlang der Produktions- und Handelskette wichtige Funktionen: Schutz vor Schädlingsbefall und Transportschäden, Sicherung der Frische, Lagerfähigkeit und Haltbarkeit sowie Verbraucherinformation und hygienische Handhabung. Die Vertreter der Save-Food-Initiative wissen zwar, dass Verpackung kein Allheilmittel ist. „Je mehr desto besser“ gelte nicht, doch „je weniger desto besser“ stimme auch nicht immer. Wenn ein Lebensmittel nicht ausreichend geschützt wird und verdirbt, sind mehr Produktionsressourcen unnütz aufgewendet worden, als es für eine geeignete Verpackung jemals der Fall gewesen wäre. Unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten schlägt die Waage in einem solchen Fall also in Richtung Verpackung aus.

Das Gegenteil ist der Fall, wenn in Supermärkten die Bananen erst geschält und dann in Plastik verpackt werden. Schließlich hat sich die Natur einige Verpackungen bereits sehr gut ausgedacht. Katharina Istel, Referentin Nachhaltiger Konsum beim Naturschutzbund Deutschland plädiert daher dafür, Verpackungsmaterial bewusst und nur im notwendigen Maße einzusetzen: „Dass nicht alleine die Verpackung beim Food Waste zählt, zeigt sich doch schon daran, dass wir unglaublich stark verpacken und dennoch so viele Lebensmittel weggeschmissen werden.“ Die Kritik des Naturschutzbundes richtet sich in diesem Zusammenhang auch gegen die bequeme „To-go-Kultur“, die zu einem regelrechten Boom von Einwegverpackungen geführt habe.

Der Handel handelt

Diesen Vorwurf wollen die Händler nicht auf sich sitzen lassen. Als Mitglied der Save-Food-Initiative legt Lidl Deutschland zum Beispiel großen Wert darauf, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Zur nachhaltigen Ressourcennutzung tragen ein effizientes Warenwirtschaftssystem, das Frischekonzept – Produkte werden vor Erreichen des Haltbarkeitsdatums reduziert angeboten – sowie die Unterstützung der Tafeln bei. Ziel ist es, den Plastikverbrauch bis 2025 um mindestens 20 Prozent zu reduzieren.

Auch Metro arbeitet eng mit der Tafel zusammen. Jährlich werden allein in Deutschland qualitativ einwandfreie Lebensmittel im Wert von etwa 12 Millionen Euro gespendet. Der Handelsriese ist Vertriebspartner der Beste-Reste-Box. Sie wurde von „Zu gut für die Tonne!“, einer Initiative des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), entwickelt und ermöglicht, im Restaurant nicht verzehrte Speisen mitzunehmen. Zudem kooperiert Metro mit „United Against Waste“, einer Initiative, die praktische Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung erdenkt. Kantinen und Restaurants können dabei mit einem Abfall-Analyse- Tool herausfinden, an welchen Stellen in ihrem Betrieb sie Ressourcen verschwenden. Auch in der Warenbevorratung sowie in den eigenen Kantinen gilt bei Metro das übergeordnete Ziel, so wenig Lebensmittel wie möglich wegzuwerfen. Und nicht zuletzt bei Eigenmarkenprodukten legen die Düsseldorfer großen Wert auf die optimale Verpackung, wobei Nachhaltigkeitsaspekte eine entscheidende Rolle spielen. So plant das Unternehmen bis Ende 2018 alle Verpackungskomponenten aus PVC durch umweltfreundlichere Materialien zu ersetzen.

Markenartikler werden aktiv

Eine ähnliche Strategie verfolgt auch Nestlé. Der Lebensmittelgigant wendet das „Food Loss + Waste Protocol“ an. Ziel ist es, einen globalen Berechnungs- und Berichtsstandard zu entwickeln, um so Prozesse entlang der Lieferkette auf ihre Effektivität zu testen und Optimierungsbedarf aufzuzeigen. Mit der 2017 gestarteten Kampagne „Mach mehr draus – gemeinsam gegen Food Waste“ klärt Nestlé die Verbraucher über Lebensmittelverschwendung auf und gibt Tipps für den Haushalt. Um die Verschmutzung der Ozeane zu bekämpfen, hat sich Nestlé verpflichtet, dass bis 2025 alle Verpackungen recyclingfähig oder wiederverwendbar sind. Sie sollen aus Monomaterial bestehen, mit hellen oder rußfreien Farben bedruckt sein und gut lösbare Etiketten haben.

Eine weitere Möglichkeit zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung sind die gute Restentleerbarkeit und die Restgrößen von Verpackungen. Schließlich entscheidet auch die Größe des Gebindes darüber, was im Müll landet. Je besser die Portionen für den Bedarf passen und je länger die Haltbarkeit ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass etwas weggeworfen wird. Laut Experten braucht man für kleinere Packungen zwar mehr Material, wenn damit die Lebensmittelverschwendung aber nur gering reduziert wird, ist die CO2-Belastung in Summe niedriger. Und das ist wichtiger denn je, denn derzeit liegt die CO2-Belastung durch „Food Waste“ auf Rang drei hinter der durch die USA und durch China.